Pressespiegel
Alles umgebaut und umgeschrieben
Gartenstadt – Amateurensemble der Freilichtbühne zeigt im Zimmertheater „Bernada Albas Haus“ unter Corona-Bedingungen
Anstatt 83 Plätzen, die oft ausverkauft waren, finden nun nur 43 Zuschauer Platz – aber so klappt es. Ab Samstag, 10. Oktober beginnt die Saison im Zimmertheater der Freilichtbühne. Dazu musste das Amateurensemble in der Gartenstadt das seit 1956 bestehende Gebäude eigens umbauen, die Zwischenwand und die Podeste entfernen, damit trotz der strengen Vorgaben aufgrund der Corona-Pandemie überhaupt der Betrieb starten kann. „Wir freuen uns alle so sehr, dass wir endlich wieder spielen dürfen, und freuen uns auf unser Publikum“, so der Geschäftsführer der Freilichtbühne, Thomas Nauwartat-Schultze. Premiere ist mit einem Klassiker: „Bernada Albas Haus“, Federico García Lorca Drama über eine verwitwete Frau und ihre fünf Töchter im ländlichen Spanien, autoritäre und verkrustete Gesellschafts- und Familienstrukturen. Nauwartat-Schultze hat die Regie übernommen. „Das Stück reizt mich schon seit langem, da es so viele brisante Themen birgt und fantastische Charaktere bietet.“ Eine Herausforderung indes bestehe darin, dass das Stück ausschließlich von Frauen gespielt wird, sagt er.
Proben per Videokonferenz
Seit März wird geprobt – unter Corona-Bedingungen, also digital per Videokonferenz, denn die ganze Sommersaison des Ensembles war abgesagt worden. „Die Textproben am Computer waren für alle Beteiligten etwas ungewohnt, aber sehr hilfreich und ergiebig“, so der Regisseur. „Die vielen Stunden haben sich gelohnt, denn als wir wieder auf der Bühne proben durften, seit Anfang Juni, konzentrieren wir uns auf die szenische Umsetzung“, berichtet er. Den vorgeschriebenen Abstand von 1,50 Meter einzuhalten, falle nicht immer leucht, „und der Zollstock ist mein ständiger Begleiter.“ Das Stück musste auch umgeschrieben werden, da nur fünf Darstellerinnen gleichzeitig auf der Bühne stehen dürfen. „Auftritte und Texte wurden gemeinsam verteilt und angepasst. Das war sehr spannend“, so der Regisseur. Er finde das Stück aber „sehr coronatauglich, da jede Frau ihre Trauer und ihr Schicksal mit sich ausmacht und verarbeitet, da kommt keine Nähe auf“. Für die Massenszene, die Beerdigung des Vaters, habe man sich „etwas einfallen lassen“, deutet er an. Sabine Valentin, eigentlich künstlerische Leiterin des Vereins, wird in der Titelrolle zu sehen sein, Wera Wörner steht ihr als resolute Magd La Poncia als Pendant gegenüber. Gespielt wird zunächst bis zum 22. November, eine Wiederaufnahme ist für 2021 im Frühjahr geplant.
Dazwischen steht ein Weihnachtsstück auf dem Spielplan – doch das zunächst geplante „Schneewittchen“ hat sich wegen der Abstandsregeln nicht umsetzen lassen. Dafür laufen bereits die Proben für „Fröhliche Weihnachten“ („A Christmas Carol“) nach Charles Dickens, wofür Regisseur Markus Muth eingesprungen ist. Eine Fassung für Kinder ab sechs Jahren wird am 5. Dezember um 16 Uhr Premiere haben. Die Geister der Weihnacht werden versuchen, dem alten Geizhals Ebenezer Scrooge den Sinn des Fests und der Nächstenliebe näherzubringen.
Mannheimer Morgen, 08.10.2020, pwr
Spielzeit komplett abgesagt
„Bis auf eine Szene war alles gestellt und schon mal geprobt“, sagt Ute Zuber wehmütig – doch vergeblich. Die Komödie „Monsieur Claude und seine Töchter“, die sie für die Freilichtbühne Mannheim inszeniert hat, fällt ebenso wie komplett aus wie das Kinderstück „Michel in der Suppenschüssel“. Das älteste und größte Amateurtheater der Region, das zuletzt im Sommer über 13 000 Zuschauer anzog, hat jetzt wegen der Corona-Krise seine komplette Sommersaison abgesagt. „Bitter, ganz bitter“, fühlt sich das für Zuber an, die seit 1998 in dem Ensemble aktiv ist. Die Komödie nach dem gleichnamigen Film von Philippe de Chauveron und Guy Laurent ist ihre vierte Regiearbeit. Seit September hat sie das Stück vorbereitet. „Wir sind Amateure, wir müssen nicht davon leben, dass wir spielen – aber sehr, sehr traurig ist das für uns alle schon“, so Ute Zuber.
„Wie ausgebremst“
Matthias Heckmann wäre ihr Hauptdarsteller gewesen. „Nicht perfekt, aber über den Daumen hatte ich den Text schon ’drauf“, erzählt er, und bis zur Premiere im Juni wäre genug Zeit für Feinarbeit gewesen. Drei Monate studierte er die Rolle schon ein – „und jetzt fühle ich mich ausgebremst“, und das nicht nur auf der Freilichtbühne. Auch beim Boulevardtheater Deidesheim, wo er ebenso spielt, fällt alles aus, und beruflich hat der Dolmetscher, der oft ausländische Delegationen begleitet, auch nichts zu tun: „Da fehlt etwas, das ist traurig. Man weiß nicht, was man machen soll“, seufzt er. Aber zur Absage habe es keine Alternative gegeben, bedauert Sabine Valentin, die künstlerische Leiterin. Derzeit hätten die Behörden ohnehin Großveranstaltungen bis Ende August verboten – und auch wenn die Personenzahl noch nicht genau definiert sei, falle die Freilichtbühne mit ihren 750 Plätzen sowie zahlreichen Akteuren vor und hinter den Kulissen sicher darunter. Zudem sei unklar gewesen, wie man auf den Toiletten, beim Einlass oder auch im Zuschauerraum Abstandsregeln einhalten solle. „Wir wollten auch nicht öffnen, wenn alle sagen, dass die Leute zu Hause bleiben sollen“, betont Valentin: „Die Verantwortung wäre zu hoch gewesen – dem Publikum und den Akteuren gegenüber“, so Valentin.
Seit 1950 bespielt der 1913 als „Dramatischer Club“ gegründete Verein das ehemalige Schießstand-Gelände im Käfertaler Wald. Trotz aller Wetterkapriolen, Vereins- und Wirtschaftskrisen – seither wurde jeden Sommer gespielt. Nun hoffen die 25 Mitwirkenden des Kinderstücks und die 30 Beteiligten beim Abendstück alle darauf, dass die für jetzt einstudierten Werke in der Sommersaison 2021 gezeigt werden können, „so ist zumindest der Plan“, sagt die künstlerische Leiterin. Sie wünscht sich sogar, wenigstens im Herbst den Betrieb im Zimmertheater mit „Bernada Albas Haus“ aufnehmen zu könnten. „Derzeit sind Proben nur im Videochat möglich, wir hoffen aber, dass wie im Sport auch im Kulturbereich bald Erleichterungen zugelassen werden,“ so Valentin. Ein Problem ist allerdings, dass auch zwölf – eigentlich nahezu ausverkaufte, aber wegen des Coronavirus abgesagte – Zimmertheater-Vorstellungen von „Kings Speech“ aus dem Frühjahr nachgeholt werden müssten, sonst droht die Zahlung von Ausfall-Tantiemen an den Verlag. Holger Ohm beziffert die Einnahmeausfälle beim Zimmertheater und die fehlende Sommersaison zusammen auf etwa 150 000 Euro Verlust. „Das sind die Durchschnittseinnahmen der letzten drei Spielzeiten“, so Ohm, der seit vier Jahren den 400 Mitglieder zählenden Trägerverein führt. Etwa 150 davon seien vor, hinter und auf der Bühne aktiv. Für sie bedeute die Absage „einen tiefen Einschnitt“. „Wir haben in den letzten Jahren sehr gut gewirtschaftet und werden die Krise überstehen“, versichert zwar Geschäftsführer Thomas Nauwartat-Schultze. Man werde „alles tun, um die Arbeitsplätze der vier Angestellten zu erhalten“.
„Wir sind wirtschaftlich auf uns selbst gestellt und müssen an die Rücklagen ’dran, viele geplante Instandsetzungen zurückstellen“, sagt Ohm. Der neue Steinbelag für den Zuschauerraum werde „mit Sicherheit geschoben“. Auch bei Baumpflegearbeiten und Fassadenarbeiten „müssen wir schauen, was sich schieben lässt“. Er wolle jedoch „versuchen, die Mitglieder bei der Stange zu halten“ – etwa durch Gartenarbeiten in Kleingruppen. Die Jugendgruppe ist schon aktiv geworden: Sie bietet einen Einkaufsservice für ältere Mitglieder an.
Mannheimer Morgen, 29.04.2020, Pwr
Sommersaison abgesagt! Schwere Entscheidung für die Freilichtbühne Mannheim
Seit sich im Jahre 1950 die Pforten an der Kirchwaldstraße in Mannheim Gartenstadt zum ersten Mal dem Publikum öffneten hat es so etwas noch nicht gegeben. Jahr um Jahr, ohne Unterbrechung gab es in den Sommermonaten Theater unter freiem Himmel. Man trotzte allen Arten von Wetterkapriolen, Vereins- und Wirtschaftskrisen, jetzt aber mussten die rund vierhundert Mitglieder des ältesten und größten Amateurtheater der Region vor einem winzigen, unsichtbaren Gegner kapitulieren. „Der Corona-Virus und die daraus resultierenden Schutzmaßnahmen zwingen uns, die Sommerspielzeit 2020 abzusagen.“ Der Vorstand reagierte damit in einer Video-Sondersitzung auf die kurz zuvor veröffentlichte neue Corona-Verordnung des Landes.
Die bereits im Vorverkauf ausgegebenen Karten für „Michel in der Suppenschüssel“ und „Monsieur Claude und seine Töchter“ können umgetauscht, zurückgegeben oder gespendet werden. Das Amateurtheater, das sich zu über 90 Prozent aus eigenen Einnahmen finanziert, rechnet für das ganze Jahr mit Ausfällen in sechsstelliger Höhe, zumal bereits rund ein Dutzend, überwiegend ausverkaufter Vorstellungen im Zimmertheater nicht stattfinden konnten.
„Wir haben in den letzten Jahren sehr gut gewirtschaftet und werden diese Krise überstehen“, ist sich Geschäftsleiter Thomas Nauwartat-Schultze sicher. Auch werde man alles tun, um die Arbeitsplätze der gegenwärtig vier Angestellten zu erhalten. Geplante Modernisierungen und Instandsetzungen müssen allerdings zurückgestellt werden. Da das Kassenhaus coronabedingt geschlossen bleiben wird, werden alle Käufer von Karten, die auf eine Rückerstattung des Eintrittspreises bestehen gebeten, sich schriftlich oder per Email an den Verein zu wenden. Barauszahlungen sind nicht vorgesehen. Der Umtausch von Karten ist ab der Wiederaufnahme des Vorverkaufes möglich.
„Die beiden Sommerstücke werden 2021 nachgeholt“, erklärt Sabine Valentin, die künstlerische Leiterin des Amateurtheaters. „Wir wären sehr glücklich, wenn wir im Herbst unseren Spielbetrieb im Zimmertheater mit „Bernada Albas Haus“ wie ursprünglich geplant fortsetzen könnten. Derzeit sind Proben nur im Videochat möglich, wir hoffen aber, dass sich wie im Sport auch im Kulturbereich bald Erleichterungen einstellen werden.“
Für einen ordentlichen Spielbetrieb im Sommer kommen die jedoch zu spät. „Wir wünschen unserem Publikum, das uns seit Jahrzehnten die Treue hält, Gesundheit und Geduld in diesen schweren Tagen, aber…“, da ist sich der Vereinsvorsitzende Holger Ohm sicher, „wir sehen uns wieder, versprochen!“
Musik, die die Seele zum Klingen bringt
Chor der Freilichtbühne führt die Jubelmesse erstmals auf
GARTENSTADT. Das Jahr 2019 war für den Chor Art-im-Takt der Freilichtbühne ein Jubiläumsjahr. Der Chor feierte seinen 15. Geburtstag, und zum Geburtstag gibt es Geschenke. Doch was schenkt man einem Chor? Thomas Nauwartat-Schultze, der Chorleiter, hatte das ideale Geschenk für seinen Chor: eine selbst komponierte Messe. Die „Jubelmesse“ hatte im November in der Kirche St. Elisabeth ihre Uraufführung, just am Tag des Patroziniums der Kirche. In der voll besetzten Kirche herrschte gespannte Erwartung, denn es ist schon etwas Besonderes, wenn ein Chorleiter seinen Sängerinnen und Sängern ein solches Werk maßschneidert, Gesangssolisten und dazu ein großes Orchester auf die Bühne holt und auch noch selbst dirigiert. Das fand auch Dekan Ralph Hartmann, der die Schirmherrschaft über die Uraufführung übernommen hatte: „Wir hören etwas Klassisches, etwas Geistliches. Aber wir hören auch ganz viel von Thomas Nauwartat-Schultze, von seinen Lebens- und Glaubenswelten“, sagte Hartmann zur Begrüßung. Die Jubelmesse begann mit einer vom Orchester gespielten Einleitung, quasi einer Ouvertüre, die musikalisch schon auf das Kommende vorbereitete. Nauwartat-Schultze ist bei vielen Komponisten zu Hause, und so konnte man in der Jubelmesse hier ein bisschen Zauberflöte und dort ein bisschen Bachʼsche Fugentechnik hören. Jubelnd und freudig, wo es um den Lobpreis Gottes ging, dramatisch und aufgewühlt beim „Kyrie“, in den höchsten Höhen schwebend und mit disharmonischen Klängen in den Phasen des Leidens Jesu. Der Komponist spielt in seinem Werk mit allen nur denkbaren Emotionen: schwermütig, freudig, feierlich, tröstend, fl ehend, weinerlich. Dazu zieht er die Register der klassischen Musik, lässt einen gregorianischen Choral erklingen, stellt Engelsgesang mit einem Duett von Sopran und Flöte dar, wirft die schwungvolle Rhythmik des Tambourins ein und den fröhlichen Walzertakt. Thomas Nauwartat-Schultze kennt seinen Chor wie kein anderer, weiß, was die Sängerinnen und Sänger leisten können. Er stellte ihnen mit Iris Anna Deckert (Sopran), Sonja Nemet (Alt), Peter Gortner (Tenor) und Matthias Horn (Bass) vier Gesangssolisten zur Seite, außerdem mit dem Heidelberger Kantatenorchester ein professionelles Ensemble, das in der geistlichen Musik zu Hause ist. Ryoko Aoyagi, die den Chor bei den wöchentlichen Proben ehrenamtlich am Klavier begleitet, spielte bei der Uraufführung der Messe die Truhenorgel. So entstand eine höchst professionelle Uraufführung, die mit lang anhaltendem Applaus und vielen Blumensträußen gefeiert wurde. Das Orchesterwerk „Reise ans Ende der Nacht“ stammt von dem jungen Komponisten Alexander R. Schweiß. Auch er ist ein „Kind“ der Freilichtbühne und hat den Sprung ins Profi -Fach geschafft. Auch dieses Werk wurde an diesem Abend uraufgeführt. Es lehnt sich an den gleichnamigen Roman an, in dem die traumatischen Kriegserlebnisse eines französischen Soldaten thematisiert werden. Mit verschiedenen Musikstilen vom Jazz bis hin zur Minimal Music werden einige Stationen des Romans klanglich umgesetzt. Am Ende dieses ganz besonderen musikalischen Abends dankte Sabine Valentin, die künstlerische Leiterin der Freilichtbühne, allen Helfern, Sponsoren, den beiden Komponisten, dem Schirmherrn und den vielen „Heinzelmännchen“ im Hintergrund, die zum Gelingen des Abends beigetragen hatten.
Nordnachrichten Mannheim, 13.12.2019, and
Solidarität gegen Machtstreben
Zimmertheater – Beachtenswertes „Rumpelstilzchen“ auf der Amateurbühne
Märchen sind grausam. Auch wenn sie gut enden, sind doch immer böse Mächte im Spiel, die Kindern Angst bereiten. Hermann Wanderscheck (1907-1971) hat daher einige Märchen der Gebrüder Grimm neu verfasst – darunter auch „Rumpelstilzchen“. Im Mannheimer Zimmertheater feierte es nun unter der Regie von Phillip Valentin Premiere, die die großen und kleinen Besucher (ab drei Jahren) in eine fantasievolle Welt mit vielen heiteren Momenten entführte. In der Grimmschen Fassung trieben die Prahlsucht des Müllermeisters und die Goldgier des Königs das traurige Schicksal der Müllerstochter voran – im Zimmertheater wurde das zu einer Geschichte voller Solidarität mit einem gütigen und dadurch hoch verschuldeten König umgewandelt.
Kecker kleiner Kobold
Die Müllerstochter Florina (Amélie Adi) möchte ihm – unterstützt von Freundin Heide (Vera Arndt) – helfen und das viele anfallende Stroh ihres Vaters (Joshua Frank) zu Gold spinnen. Natürlich misslingt ihr Versuch, bis ein kleiner Kobold erscheint und die Aufgabe erfüllt. Aber nicht ohne Bedingungen. Eigentlich kommt er im Auftrag der Herrin des Waldes, um den Königstaler zu stehlen, der ihr Macht und Würde auch über das Königreich verleihen sollte. Meisterhaft spielt Pia Valentin diesen kecken Kobold, der trotz Unterwürfigkeit eigenmächtig handelt. Gebieterisch stolz erscheint Jana Eicher als ehrgeizige, aber misstrauische Herrin des Waldes, die von Raben Krakra (Marie-Claire Kieser) und Kater Kratzepfote (Agnetha Rauch) hintergangen wird.
Köstlich sind die bezeichnenden Namen, die den Figuren des Reiches vom barmherzigen König Leberecht (bescheiden galant: Sebastian Kaufmann) zugeschrieben sind: Hofmeister Tummeldich (stets umtriebig und zum Lachen: Simon Nemet), Jägermeister Knallbüchs (hilfreich auf der Jagd: Paul Kaufmann) oder Nachbarin Tante Überall (immer informiert und einsatzfähig: Silvia Schönfelder). Sie sind es, die das im Grunde grausame Märchen um den Kampf des erstgeborenen Kindes entschärfen.
Mit viel Einfühlungsvermögen hat Regisseur Phillip Valentin das Märchen auf der Bühne vor und hinter den Vorhang umgesetzt – nicht zuletzt mit einem beachtenswerten Ensemble aus Amateurspielern, einer verwunschen gestalteten Bühne (Sebastian Kaufmann und Phillip Valentin) und Darstellern in perfekt nachempfundenen Kostümen (Bärbel Steegmüller, Monika Kaufmann). Dazu hat er eine untermalende Musik der aus den USA stammenden Brüder Derek und Brandon Fiechter gewählt, die mit ihren beruhigenden Harmonien das Geschehen begleiten. Eine beachtenswerte Inszenierung, die mit jubelndem Applaus bedacht wurde.
Mannheimer Morgen, 03.12.2019, Christina Altmann
Das Stottern des Königs
Schauspiel – Die Mannheimer Freilichtbühne eröffnet die Zimmertheatersaison mit dem Winterstück „The King’s Speech“ / Gute Regie und Ensembleleistung
Mit „The Kings’s Speech“ eröffnete die Mannheimer Freilichtbühne die Zimmertheater-Saison und landete einen begeistert aufgenommenen Premieren-Erfolg. Das Thema des Stückes von David Seiler um den stotternden Herzog von York ist ernst, beruht auf historischer Wahrheit. Doch dank einer gehörigen Portion britischen Humors, den die Amateurschauspieler aus der Gartenstadt auch in genau richtigem Maß auf die Bühne bringen, wird daraus ein im besten Sinne unterhaltsames Stück.
Albert, der zweite Sohne des englischen Königs Georg V., stottert, jeder macht sich über ihn lustig. Jeder öffentliche Auftritt wird zur Qual und zum Fiasko, so dass er sich auf Initiative seiner Frau Elizabeth – später bekannt als Queen Mum –vom australischen Sprachtherapeuten Lionel Logue helfen lässt. Der versetzt ihn sogar in die Lage, als Georg VI. den Thron zu übernehmen, dem sein Bruder Edward wegen seiner unziemlichen Beziehung zur geschiedenen Amerikanerin Wallis Simpson und deren engen Kontakten mit Nazi-Deutschland entsagen muss. Seiler hat das Stück bereits in den 70er Jahren geschrieben, doch Queen Mum verbot die Aufführung zu ihren Lebzeiten. Nach ihrem Tod wurde aus dem Stoff zunächst ein mit einem Oscar preisgekrönter Film, ehe er 2012 auf die Theaterbühne zurückfand.
Herausforderung beim Bühnenbild
Regisseur Markus Muth hat sein Ensemble sehr präzise geführt, auch die kleinste Rolle stimmt. Ihm ist es zudem bestens gelungen, die Bühnenbild-Herausforderungen mit 37 Szenen an 17 Schauplätzen in den Griff zu kriegen, ohne den Handlungsablauf zu stören. Eine mit großen Schiebetüren versehene Wand trennt die kleine Bühne, dahinter werden im Wechsel Büros im Buckingham-Palace, Logues Sprechzimmer oder Westminster Abbey aufgebaut, während davor bei diversen Begegnungen politische Entwicklungen besprochen und Intrigen gesponnen werden. Die Wand ist auch eine Projektionsfläche für historische Filme als Zeitdokumente von 1925 bis zum Kriegsausbruch 1939.
Parallel zur äußeren Notlage der Welt spitzt sich die innere von „Bertie“ alias Albert zu. Andreas Burger spielt ihn sehr fein justiert und mit bewundernswertem Stottern als einen von allen verkannten Menschen ohne Selbstwertgefühl, aber fähig zur Selbstironie und willens, sich für die „Firma Windsor“ zu opfern. Seine verbitterte Verzweiflung äußert sich immer wieder in cholerischen Ausbrüchen.
Die Therapie in winzigen Schritten verläuft keineswegs geradlinig, doch er spürt, dass ihm die Begegnungen mit Lionel guttun. Der ist – weil ein erfolgloser Schauspieler – ebenfalls verkannt, wohl aber ein genialer Psychologe. Matthias Heckmann ist in der Rolle des Therapeuten vom Typus her das genaue Gegenteil von Bertie: optimistisch, zugewandt, offen, frei von falscher Ehrerbietung. Die Treffen der beiden sind die Kernstücke der Handlung und lohnen allein schon den Besuch im Zimmertheater.
Mannheimer Morgen, 15.10.2019, sd
Das Drama um einen König
SCHAUSPIEL: Am 12. Oktober ist Premiere von David Seidlers „The King’s Speech“ auf Deutsch
MANNHEIM. Mit dem Drama„The King’s Speech“ (Die Rededes Königs) startet die Mannheimer Freilichtbühne am Samstag, 12. Oktober, in die Zimmertheater-Saison. Regisseur der deutschen Fassungvon Ella Dietrich ist Markus Muth. Er wollte das 2006 uraufgeführte Stück des Engländers David Seidler, das in der filmischen Umsetzung 2011 mit Colin Firth in der Hauptrolle einen Oscar erhielt, schon vor vier Jahren inszenieren. Doch damals gab es leider für Amateurbühnen noch keine Rechte. Jetzt schon. An der wahren Geschichte über den stotternden Herzog Albert (Bild), der König von Großbritannien werden musste, weil sein Bruder abdankte und der befürchtete, nicht König sein zu können, weil er stottert, hat zumindest im Kino bewiesen, wie spannend und zugleich humorvoll und herzergreifend sie ist. Doch vorhergab es das Stück, in dem Albert mit Hilfe eines australischen Sprachtherapeuten seine Behinderung meistert und danneben doch König wird, mehr: ein Held. Muth reizen an dem Stoff zwei große Herausforderungen. „Das Stück spielt zwischen 1925 und dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, es gibt für die 37 Szenen zwölf Schauplätze. Um das auf unserer 4,50 mal 5 Meter kleinen Bühne zu meistern, mussten wir uns etwas einfallen lassen“, sagt Muth.
Hitler, Stalin und Churchill
Als anspruchsvoll bezeichneter auch die Aufgabe, die richtige emotionale Ebene des zu Wutausbrüchen neigenden Albert zu finden. Auch eine Balance zwischen den verschiedenen Stadien des Stotterns zu halten, sei schwer. Für den Therapeuten Lionel Logue alias Matthias Heckmann machen die verschiedenen Beziehungsebenen und Themenkreise des mit typisch britischem Humor gewürzten Stückes den großen Reiz aus. „Es geht einerseits um Politik, um Hitler, Stalin und Churchill. Dann gibt es die Beziehungen innerhalb der royalen Familie.“ Der Autor Seidler wurde 1937 in London geboren. Erlebt und arbeitet überwiegend für den Film und schreibt Drehbücher. „The King’s Speech“ ist das bekannteste Werk, das er je geschrieben hat.Er erhielt neben dem Oscar und Golden Globe noch weitere sechs Preise dafür.
Morgen Magazin, 10.10.19, dm/sd
Freilichtbühne: Vom Märchen bis zum Drama
Schauspiel – Neues Programm startet am 12. Oktober
Mit drei Produktionen startet die Mannheimer Freilichtbühne in die Zimmertheater-Saison. Märchenhaft wird es bei „Rumpelstilzchen“, musikalisch beim Jubiläumskonzert des Chores Art-Im-Takt, dramatisch beim Schauspiel „The Kings Speech“, das am 12. Oktober den Auftakt macht. Regisseur Markus Muth wollte das 2006 uraufgeführte Stück des Engländers David Seidler, das in der filmischen Umsetzung 2011 einen Oscar erhielt, schon vor vier Jahren inszenieren. Doch damals gab es für Amateurbühnen noch keine Rechte. An der wahren Geschichte über den stotternden Herzog Albert (Bild), der mit Hilfe eines australischen Sprachtherapeuten seine Behinderung meistert und später König wird, reizen Muth zwei große Herausforderungen. „Das Stück spielt zwischen 1925 und dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, es gibt für die 37 Szenen zwölf Schauplätze. Um das auf unserer 4,50 mal 5 Meter kleinen Bühne zu meistern, mussten wir uns etwas einfallen lassen“, sagt Muth. Als anspruchsvoll bezeichnet er auch die Aufgabe, die richtige emotionale Ebene des zu Wutausbrüchen neigenden Albert zu finden. Auch eine Balance zwischen den verschiedenen Stadien des Stotterns zu halten, sei schwer. Für den Therapeuten Lionel Logue alias Matthias Heckmann machen die verschiedenen Beziehungsebenen und Themenkreise des mit typisch britischem Humor gewürzten Stückes den großen Reiz aus. „Es geht einerseits um Politik, um Hitler, Stalin und Churchill. Dann gibt es die Beziehungen innerhalb der royalen Familie.“
Neue Wege geht die Freilichtbühne mit „Rumpelstilzchen“ von Hermann Wanderscheck, denn die Aufführung ist eine Eigenproduktion der Jugendgruppe. Sein Regie-Debüt gibt Philipp Valentin, der alle Stufen der Amateurbühne durchlaufen hat. „Es spielen keine Erwachsenen mit, aber das war auch unser Wunsch“, sagt Jugendsprecher Sebastian Kaufmann. „Philipp hat das Sagen, aber wir haben viele Freiheiten. Er lässt uns erst einmal etwas anbieten, bevor er eingreift“, plaudert Kaufmann, der König Leberecht spielt, aus dem Nähkästchen der bewegungsintensiven Inszenierung. „Die Stimmung im Ensemble ist mega gut, denn wir sind alle miteinander befreundet.“ Anders als im Original-Märchen geht das Stück nach der Entlarvung von Rumpelstilzchen noch der Frage nach: Was passiert nach dem Happy-End? Die Antwort gibt es am 1. Dezember.
Am 17. November feiern Thomas Nauwartat-Schultze und sein vor 15 Jahren gegründeter Chor „Art-Im-Takt“ mit einer Jubelmesse Geburtstag. „Eigentlich gab es den Chor nur für die damalige Dracula-Aufführung, doch wir singen noch immer.“ Die Messe hat Nauwartat-Schultze selbst komponiert und auf das Können seiner Gruppe zugeschnitten. „Ganz im klassischen Stil“, wie er betont. Für die Soloparts Sopran, Alt, Tenor und Bass hat er Profis gefunden, begleitet wird „Art-Im-Takt“ vom Heidelberger Kantatenorchester.
Mannheimer Morgen, 08.10.2019, Sibylle Dornseiff
Mannheimer Freilichtbühne denkt über Dach nach
Kultur – „Seebühnenzauber“ und Ensemble der Gartenstadt ziehen Bilanz zur Sommersaison / Probleme mit Hitze und Regen
Brennt die Sonne oder schüttet es? Der bange Blick nach oben in den Himmel – er hat die jetzt beendete Saison für die beiden großen Open-Air-Theater geprägt. Beim „Seebühnenzauber“ im Luisenpark ist daher die Auslastung gesunken. Die Freilichtbühne in der Gartenstadt meldet zwar eine leicht gestiegene Besucherzahl, denkt aber über eine Überdachung der Zuschauerreihen nach. Beim „Seebühnenzauber“ sank die Auslastung, in den vergangenen Jahren, meist mit 80 bis 90 Prozent angegeben, auf rund 75 Prozent. Eine Gesamtbesucherzahl wurde nicht genannt. Ausverkauft sei leider keine der Veranstaltungen gewesen, lediglich bei Chako Habekost wurden die Tickets knapp. „Es lagen diesmal alle Termine in den Sommerferien, oft gab es Hitze oder Gewitter. Aber wir hatten immer super Stimmung“, so Renate Fernando, die Marketingchefin der Stadtparks. Und so wie Habekost („Ein wunderschöner, magischer, ganz besonderer Ort mit der weltbesten Stimmung“) loben immer wieder viele Künstler und Zuschauer die Atmosphäre der Bühne im Kutzerweiher. […]
Zufrieden ist man auf der Freilichtbühne in der Gartenstadt, lag die Zuschauerzahl doch mit 13 014 etwas höher als die 12 570 Besucher im Vorjahr. „Viel Lärm um Nichts“ sahen bei 13 Vorstellungen 5656 Gäste und die „Kleine Hexe“ bei zehn Nachmittagen 7358 Zuschauer. „Dass die Abenteuer der kleinen Hexe ihr Publikum finden würde, war allgemein erwartet worden,“ so Vorsitzender Holger Ohm. An der „zumeist ausverkauften Sommersaison“ habe aber Shakespeares „Viel Lärm um Nichts“ auch einen „erheblichen Anteil, und das hatte man in dieser Form nicht unbedingt erwartet“, freut er sich: „Die Reaktion der Zuschauer lässt keinen Zweifel aufkommen, Titel und Inszenierung kamen bestens an“, so Ohm. Allerdings sei die Saison „von brütender Hitze bis zu unwetterartigem Gewittern“ geprägt worden. Eine Vorstellung musste daher ganz abgesagt, eine Aufführung wegen Gewitter und Starkregen abgebrochen werden. „Die Eintrittskarten konnten natürlich zurückgegeben oder umgetauscht werden, aber das bedeutet dann immer 7000 bis 10 000 Euro Verlust für uns“, so der Vorsitzende.
Einige Aktive hätten daher wieder das Thema „Überdachung“ aus der Schublade gezogen, das seit den 1960er-Jahren kontrovers diskutiert werde, und Besucher hätten Sonnensegel gefordert. „Neu ist der Aspekt Sonnenschutz. Waren bislang Schlechtwetterphasen gefürchtet, so müssen wir heute auch überlegen, ab welchen Hitze-Temperaturen der Betrieb um der Sicherheit Willen nicht mehr zu vertreten ist“, so Ohm. Zwar könne die Freilichtbühne eine solche Investition „aktuell nicht finanzieren, denn wir müssen erst mal eine Probehalle für 500 000 Euro bauen“, so Ohm: „Aber wir prüfen, ob wir das in unseren Masterplan für die Zukunft nehmen“, sagte er. Aufklärung erhofft sich der Vorstand von der Zuschauer-Umfrage. Ergebnisse werden im Spätjahr erwartet.
Mannheimer Morgen, 27.08.2019, pwr
Freilichtbühne beendet erfolgreiche Sommersaison
Von brütender Hitze bis zu unwetterartigem Gewitter – Das Sommerspiele-Jahr 2019 hielt für Aktive wie Besucher der Freilichtbühne Mannheim das gesamte Wetter-Repertoire bereit. Dass die Abenteuer der kleinen Hexe ihr Publikum finden würde, war allgemein erwartet worden, und tatsächlich blicken die allesamt ehrenamtlich Aktiven des Amateurtheatervereins auf eine zumeist ausverkaufte Sommersaison zurück. An den rund 14.000 Gästen aber hatte auch Shakespeares „Viel Lärm Um Nichts“ erheblichen Anteil, und das hatte man in dieser Form nicht unbedingt erwartet. Die Reaktion der Zuschauer lässt indes keinen Zweifel aufkommen, Titel und Inszenierung kamen bestens an. Nur ein einziges Mal musste eine Vorstellung abgebrochen werden, Gewitter und Starkregen machten eine Fortsetzung unmöglich. Die Eintrittskarten konnten natürlich zurückgegeben oder umgetauscht werden, die „Regengutscheine“ behalten auch bis ins kommende Jahr ihre Gültigkeit. Natürlich wurde wieder das Thema „Überdachung“ aus der Schublade gezogen, neu an der seit den 60er-Jahren kontrovers geführten Diskussion der Aspekt Sonnenschutz. Waren bislang Schlechtwetterphasen gefürchtet, so müssen die Verantwortlichen heute auch überlegen, ab welchen Hitze-Temperaturen der Betrieb um der Sicherheit Willen nicht mehr zu vertreten ist. Aufklärung erhofft sich der Vorstand auch von der unter den Zuschauern durchgeführten Umfrage. Darin wurden auch alternative Anfangszeiten vorgestellt, Ergebnisse der Umfrage werden im Spätjahr erwartet. Ganz sicher aber wird man dem Ansinnen eines Anwohners nicht Rechnung tragen können, mit dem ernsthaft gefordert wurde, Teile des Parkgeländes um das Amateurtheater in eine Tiefgarage zu verwandeln. Als Erfolgsgeschichte kann inzwischen auch der Wechsel von der Gaststätten-Verpachtung zum Eigenbetrieb angesehen werden. Nur noch zu Veranstaltungszeiten wird öffentlich bewirtschaftet, die allesamt ehrenamtlich tätigen Mitglieder kümmern sich rührend um ihre Gäste und ernteten demgemäß großen Zuspruch der kleinen und großen Gäste.
Schon nach einer kurzen Verschnaufpause geht es an der Kirchwaldstraße weiter. Im Oktober hat „The Kings Speech“ im Zimmertheater (gleich hinter der Freilichtbühnen-Anlage) Premiere und im Dezember folgt als Weihnachtsproduktion „Rumpelstilzchen“. Zu beiden Stücken hat der Vorverkauf bereits begonnen. Aufgrund des begrenzten Platzangebots im Zimmertheater wird empfohlen, sich frühzeitig Karten zu sichern.
Stadtteil-Portal Mannheim, 15.08.2019, mhs / red