Pressespiegel

Hexentreffen auf der Freilichtbühne

Am Rande der Premiere zum Kinderstück “Die Kleine Hexe” von Otfried Preußler auf der Freilichtbühne Mannheim in der Gartenstadt gab es eine Begegnung der ganz besonderen Art. Im Jahre 1986 wurde im Freilichttheater an der Kirchwaldstraße das Erfolgsstück zum ersten Mal inszeniert. Damals spielte Barbara Bechtold die kleine Hexe und wurde von den jungen Zuschauern damals regelrecht verehrt. Sieben Jahre später, 1993, stand die kleine Hexe wieder auf der Bühne, diesmal von Elke Kunkel nicht weniger erfolgreich dargestellt. Und 2019 geht das Amateurtheater im Norden Mannheims nun mit Bianca Valentin an den Start. Die drei Hauptdarstellerinnen trafen sich in der Pause der Premiere vor dem Hexenhaus und waren sich auf Anhieb einig, 33 Jahre sind für kleine Hexen überhaupt keine Zeit.

Metropoljournal, 19.06.19

Klassiker bei der Freilichtbühne

„Viel Lärm um Nichts“ und „Die kleine Hexe“

GARTENSTADT. Zwei Klassiker stehen in diesem Jahr auf dem Spielplan der Freilichtbühne in der Mannheimer Gartenstadt. Für die kleinen Besucher steht Otfried Preussler‘s „Kleine Hexe“ auf dem Spielplan. Den Premierenauftakt machte das Erwachsenenstück, nämlich Shakespeares „Viel Lärm um Nichts“. Die um 1599 geschriebene Komödie wurde von Frank Günther in eine moderne, aber gleichzeitig poetische Sprache übersetzt. Dabei darf auch gerne gelacht werden. Regie auf der Freilichtbühne führte Cornelia Bundschuh. Mehr als 20 Akteure stehen auf der großen Bühne bei dem in moderne Zeiten adaptierten Stück. Auf dem Landsitz von Gouverneur Leonato herrscht buntes Treiben. Der Besuch seines Freundes Don Pedro, der gerade erfolgreich eine Schlacht geschlagen hat, steht an. Zu Ehren des hohen Gastes gibt es ein Fest mit einem großen Festmahl. Der junge Gefolgsmann des Prinzen und Edelmann Claudio verliebt sich in Hero, die Tochter Leonatos, und bittet erfolgreich um deren Hand. Doch da ist auch noch ihre Cousine Beatrice, die eigentlich an allen Männern etwas auszusetzen hat. Die möchte die hohe Gesellschaft gerne mit dem Schürzenjäger Benedikt, der auf einem Motorrad auf die Bühne kommt, verkuppeln. Derweil ist für die Hochzeit von Hero und Claudio bereits alles vorbereitet. Hero wird am Arm ihres Vaters zum Altar geleitet, doch hier kommt es zum Eklat. Claudio bezeichnet sie als Hure und verweigert das Ja-Wort. Dahinter steckt Don Juan, der Halbbruder des Prinzen, der durch eine Intrige die Hochzeitspläne hintertrieben hat. Doch durch eine List gelingt es, die Übeltäter zu entlarven und die Wahrheit ans Licht zu bringen. Und selbstverständlich gibt es dann doch noch ein Happy End.Mehr möchten wir an dieser Stelle allerdings nicht verraten, denn das Stück läuft noch bis 9. August jeweils zu den Wochenenden auf der Freilichtbühne. Infos und Tickets sind unter Telefon 0621 7628100 oder E-Mail tickets@flbmannheim.de erhältlich.

Nordnachrichten Mannheim, Juni 2019, mhs

Gute Taten setzen sich durch

Premiere – 50 erwachsene und jugendliche Darsteller führen auf der Freilichtbühne in der Gartenstadt „Die kleine Hexe“ von Otfried Preußler auf

Erst 127 Jahre alt, also noch ganz feucht hinter den Ohren, aber ehrgeizig und wild entschlossen, endlich auch auf dem Blocksberg die Walpurgisnacht feiern zu dürfen: Das ist die kleine Hexe. Otfried Preußler hat sie 1957 erschaffen, um seinen Kindern in Gute-Nacht-Geschichten die Angst vor Hexen zu nehmen. Seit über 60 Jahren wird sie – übersetzt in 47 Sprachen – in aller Welt geliebt, sie ist ein Film- und Hörspielstar und steht zum dritten Mal nach 1986 und 1993 auf der Mannheimer Freilichtbühne.

50 erwachsene und jugendliche Darsteller hauchen dort, in der Gartenstadt, der Story pralles Leben ein und beantworten unter dem Riesenbeifall des Publikums letztendlich die Frage, weshalb es keine bösen Hexen mehr gibt.

Rabe Abraxas blickt zurück

Eigentlich wegen eines Missverständnisses. Denn was ist gut, was böse? Für die großen Hexen muss eine gute Hexe Böses anstellen. Beraten vom Raben Abraxas versteht die kleine Hexe unter gut aber tatsächlich gut und bemüht sich redlich, jeden Tag etwas Gutes zu tun. Doch sie wird von der Hexe Muhme Rumpumpel ausspioniert, die dem Hexenrat alles verrät. Der ist erbost, statt auf dem Blocksberg mitzutanzen, wird die kleine Hexe dazu verdammt, alles für das Fest vorzubereiten. Doch sie weiß sich zu helfen, nicht umsonst hat sie ein Jahr lang perfekt zaubern gelernt.

Dominik Kobel und Michael Graf haben eine auch für Erwachsene mitreißende und spannende Geschichte inszeniert, mit vielen Actionszenen, aber auch einigen Ruhepolen. Ihre allesamt gut beschäftigten Akteure leisten bei der Premiere Hervorragendes und sind immer präsent, egal ob in Haupt- oder Nebenrollen. Erzählt wird im ersten Teil in Rückblicken. Abraxas (sehr agil Astrid Nortmeyer) lässt ein ganzes Jahr Revue passieren, erinnert an all die guten Taten, die in bunten Bildern aus dem Dorfleben anschaulich werden. Da half die kleine Hexe (sympathisch, herzlich, gewitzt Bianca Valentin) den armen Holzweibern und dem Blumenmädchen, verwandelte den Förster in einen netten Menschen, ließ den Schnupfen des Maroni-Mannes verschwinden und rettete dem Ochsen Korbinian das Leben. Es gibt viel zu entdecken, weil auch das stumme Spiel aller Akteure stimmt. Herausragend dabei Muhme Rumpumpel (leidensfähig Marie-Claire Kieser), die viel ertragen muss.

Es raucht, blitzt und donnert

„Ist denn schon Schluss“, fragte der fast vierjährige Jakob bei seinem ersten Besuch auf der ausverkauften Freilichtbühne ganz enttäuscht in der Pause. Doch er kam danach noch einmal voll auf seine Kosten, staunte, wie es rauchte, blitzte, donnerte – und verfolgte furchtlos das lustvoll keifende, kreischende und wunderbar geschminkte Hexengeschwader.

„Am besten hat mir die große Hexe in schwarz gefallen“, lobte er die Oberhexe, in der eine völlig unkenntlich gemachte Christa Krieger ganz ohne schrille Töne auskommt und dennoch alle im Griff hat. Bis eben auf die kleine Hexe. „Ich gehe jetzt zu allen Stücken, auch im Winter“, hat die Freilichtbühne in Jakob einen neuen Stammgast gefunden.

Mannheimer Morgen, 17.06.2019, sd

Liebe, Hass, Intrigen tragen Geschichte

Schauspiel – Der Theaterklassiker „Viel Lärm um Nichts“ von William Shakespeare feiert Premiere auf der Mannheimer Freilichtbühne

Lustig ging es am Samstagabend auf der Freilichtbühne Mannheim zu: Dort feierte Cornelia Bundschuhs Inszenierung des Shakespeare-Werkes „Viel Lärm um nichts“ seine Premiere. Für die Regisseurin birgt dieses Stück besondere Herausforderungen. So besticht das Original vor allem durch seinen Wortwitz und seine schlüpfrigen Anspielungen. Dies auf Deutsch locker auf die Bühne zu bringen, ist nicht ganz einfach.

Das Stück selbst erzählt von Liebe und Intrigen. Zunächst kehren die Protagonisten Claudio (Bastian Bauer) und Benedikt (Marco Hullmann)von einem siegreichen Feldzug an der Seite des Prinzen Don Pedro (Michael Goericke) zurück, in dem sie dessen Bruder Don Juan (Felix Schultze) geschlagen haben. Leonato, der Gouverneur von Messina, lädt sie ein, für einen Monat zu bleiben. Kaum angekommen, verliebt sich Claudio in Hero (Jana Eichler), die Tochter Leonatos. Schon bald werden Pläne für eine Heirat geschmiedet. Zugleich liefert sich der überzeugte Junggeselle Benedikt verbale Scharmützel mit der scharfzüngigen Nichte Leonatos, Beatrice (Ramona Lisowski).

Um sich die Zeit bis zur Hochzeit zu vertreiben, schmieden Claudio, Hero, Leonato und Don Pedro einen Plan: Sie wollen die zwei Streitenden ebenfalls zu einem Paar machen. Durch eine List machen sie die beiden glauben, der jeweils andere sei in sie verliebt. Dieser Plan geht auch tatsächlich auf. Das Glück der Paare dauert jedoch nur kurz. Der im Krieg unterlegene Bruder Don Pedros, Don Juan sinnt auf Rache. Er inszeniert eine Liebesszene zwischen seinem Gefolgsmann Borachio und Heros Zofe in deren Zimmer. Gleichzeitig sorgt er dafür, dass Claudio dies durchs Fenster beobachtet.

Inszenierte Untreue

Sie halten die Zofe für Hero und diese für untreu. Um sich für den Betrug zu rächen, beschuldigt er sie tags darauf vor der Hochzeitsgesellschaft der Untreue. Überrumpelt von dieser Anklage fällt die Braut in Ohnmacht. Claudio und Don Pedro verlassen die Kirche in dem Glauben, sie sei aus Scham verstorben.

Leonato beschließt, die Illusion solange aufrechtzuerhalten, bis Heros Ehre wiederhergestellt ist. Dies gelingt, weil einige Nachtwächter Borachio belauscht und festgenommen haben. Claudio ist zutiefst beschämt und erklärt sich bereit, die Nichte Leonatos zu heiraten. Bei der Hochzeit stellt sich jedoch heraus, dass es sich bei der Braut um Hero handelt. Auch Beatrice und Benedikt beschließen, zu heiraten und so endet die Geschichte doch glücklich.

Die Inszenierung auf der Freilichtbühne betont vor allem die komischen Aspekte des Stücks und unterhielt die Zuschauer bestens. Die Schauspieler machen eine gute Figur. Besonders Harald Kremsreuter als Leonato sticht hier positiv heraus. Auch die schlagfertigen Dialoge zwischen Ramona Lisowski und Marco Hullmann machen Spaß. Die Handlung bleibt sehr eng an der Vorlage, wurde aber in eine fiktive Moderne versetzt. Wenn dann in Militäruniformen und Abendkleidern auftretende Protagonisten in der gewundenen Sprache des 16. Jahrhunderts daherreden, verstärkt das den komischen Charakter des Stücks noch. Für einige Lacher sorgte auch, dass die Nebenhandlung mit zwei tölpelhaften Gerichtsdienern ausgebaut wurde und diese ihre wirren Einlassungen mit hörbarem Mannheimer Zungenschlag vortrugen.

Mannheimer Morgen, 12.06.2019, Norman Wursthorn

„Viel Lärm um nichts“ auf Freilichtbühne

Schauspiel – Ensemble bereitet sich auf die neue Saison vor / Shakespeare-Stück feiert am 8. Juni Premiere, „Die kleine Hexe“ am 16. Juni

Auf der Mannheimer Freilichtbühne ist alles bereit für die neue Saison: Die Bühnenbilder stehen, die ersten Durchläufe haben begonnen, die Stimmung ist bei den mehr als hundert Mitwirkenden vor und hinter den Kulissen bestens. Rund 60 – davon 30 Kinder – spielen beim Stück „Die kleine Hexe“ mit, 30 sind es bei „Viel Lärm um nichts“ von William Shakespeare.

Mit der etwa 1599 geschrieben Komödie setzt die Amateurbühne aus der Gartenstadt ihre kleine Reihe fort, die mit „Shakespeares Wilde Weiber“ im vergangenen Herbst im Zimmertheater begann. Für Regisseurin Cornelia Bundschuh ist es bereits die dritte Inszenierung eines Klassikers aus der Feder des englischen Dichters. „Bei ‚Wie es euch gefällt‘ für das Zimmertheater ging es trotz historischer Kostüme spartanisch zu. Der ‚Sommernachtstraum‘ 2006 war ebenfalls in historischem Look, aber auch sehr opulent“, erinnert sie sich. Das neue Stück mit dem Originaltitel „Much ado about nothing“, in dem es aufgrund von Belauschen, Ausspionieren und falschen Interpretationen zu einer Kette von Missverständnissen kommt, spielt in einer fiktiven Moderne. „Als Bühnenbild nutzen wir den freien Raum. Ansonsten werden Orte und Szenen durch Möbel und Requisiten gekennzeichnet“, erläutert Bundschuh bei einem Pressegespräch einige offensichtliche Grundzüge ihrer Regie. Die Kostüme sind zeitlos-modern, geben aber auch Aufschlüsse über den Stand der Figuren und ihre komplizierten Beziehungen zueinander.

Viele sexuelle Anspielungen

Die Charaktere und ihre Motive herauszuarbeiten, dazu den Text zu interpretieren, war eine der großen Herausforderungen der langen Vorbereitung seit dem letzten Herbst. „,Viel Lärm um nichts‘ ist die einzige Shakespeare-Komödie, in der fast keine Verse vorkommen. Dennoch ist der Text nicht einfach, denn er strotzt vor sexuellen Anspielungen“, hat Bundschuh die Übersetzung von Frank Günther gewählt, die sich stark an der Originalsprache orientiert. „Die ist sehr deftig, nicht unbedingt jugendfrei. Was zweideutig klingt, ist auch so gemeint.“

Seit Januar arbeitet die Regisseurin mit ihrem Ensemble auch praktisch an den Charakteren. „Ich mag Schwarzweiß-Malerei nicht, ziehe Grautöne vor. Mir ist wichtig, dass alle Figuren gute und böse Seiten haben. Sie treffen von Anfang an viele falsche Entscheidungen, die auch in eine Tragödie hätten münden können“, erklärt sie.

Eine Tragödie konnte bei der Inszenierung von Otfried Preußlers „Die kleine Hexe“ gerade noch abgewendet werden. Denn vor sechs Wochen sprang die Hauptdarstellerin plötzlich ab. Doch die Regisseure Dominik Kobel und Michael Knapp besetzten innerhalb des Ensembles um und sind des Lobens voll für das Engagement der Neuen. Bianca Valentin übernahm die Titelrolle, Marie-Claire Kieser deren Part als Muhme Rumpumpel. „Ich war vorher die arrogante Wasserhexe, nun so richtig böse zu sein, macht viel mehr Spaß“, ist Kieser sehr zufrieden. Einen großen Effekt in Sachen Hexenverhalten hatte ein Workshop mit Eva Layer. „Seitdem sind wirklich Hexen auf der Bühne“, freut sich Knapp. „Man muss nicht dauernd darauf achten, dass man niemanden auf die Füße tritt“, schätzt auch Oberhexe Christa Krieger, dass sie und ihre Kolleginnen sich auf der Bühne alles erlauben dürfen.

Vor 26 Jahren wurde der Kinderbuchklassiker, in dem die kleine Hexe bei ihresgleichen um Anerkennung und die Zulassung zur Walpurgisnacht kämpft, letztmals auf der Freilichtbühne gespielt. „Wir mögen Geschichten, in denen man sich verlieren kann und die auch Werte vermitteln“, waren sich die Regisseure bei der Wahl des Familienstückes absolut einig. „Es geht ja vor allem um Freundschaft.“ Doch bis zum guten Ende passiert viel. „Der erste Akt mit seiner Rückblende lebt von Massenszenen und wunderschönen Bildern. Die Walpurgisnacht natürlich von der speziellen Hexenatmosphäre“, erklärt Co-Regisseur Kobel. „Die Hexenbesen sind übrigens allesamt Unikate, wurden von den Diakonie-Werkstätten auf der Vogelstang geschaffen. Zum Verkauf haben wir extra Kinderbesen anfertigen lassen.“

Mannheimer Morgen, 01.06.2019, sd

Drei Pinguine und die Sintflut

Schauspiel – Freilichtbühne gibt „An der Arche um Acht“

Wer ist Gott? Wo ist er? Wie sieht er aus? Warum lässt er schreckliche Dinge geschehen oder verursacht sie sogar selbst? Fragen, die sich schon Kinder stellen – und auf die Ulrich Hub in „An der Arche um Acht“ wunderbare Antworten findet. 2006 mit dem Deutschen Kindertheaterpreis ausgezeichnet, verfehlte der einstündige Zweiakter seine Wirkung auch nicht bei der Premiere im Zimmertheater der Mannheimer Freilichtbühne. Der Applaus war kräftig.

Nun sind Tricks gefragt

Immer wieder hörte man im Zuschauerraum kindliches Kichern, wenn die drei Pinguine um Kleinigkeiten streiten. Allzu bekanntes Gebaren in Kinderzimmern. Dem Einen ist langweilig, der Andere fühlt sich hinterhältig, der Dritte will schlichten. Doch als die Behauptung aufgestellt wird, Gott habe sich bei der Erschaffung der Pinguine vertan („wir sind Vögel, die nicht fliegen können und nach Fisch stinken“), geht der Zwist erst richtig los. Da verkündet die weiße Taube, dass Gott genug hat von permanenten Streitereien unter Menschen und Tieren und deshalb die Sintflut schickt. Für einen Neubeginn des Lebens darf aber jeweils ein Paar in die Arche. Nun ist guter Rat teuer. Was sollen die Drei mit nur zwei Tickets? Sie besinnen sich auf ihre Freundschaft, schaffen es auf die Arche und müssen sich allerlei Tricks einfallen lassen, um nicht aufzufliegen. Klar, dass während der langen Reise immer wieder die Frage nach Gott und seinem (oder ihrem?) Handeln aufkommt. Das Stück ist dicht und spannend, hat eine exzellente Dramaturgie, ist witzig, hintergründig.

Die Inszenierung von Thomas Nauwartat-Schultze nimmt diese Steilvorlagen nicht nur gekonnt auf, sondern lebt in eindrucksvollen Bühnenbildern und Kostümen auch von ihrer Körperlichkeit. Es wird gerauft, geprügelt, getanzt, aber auch geherzt. Dazu sind Manuel Schreiber, Bettina Robl und Bastian Bauer als Pinguine jederzeit höchst präsent, spielen – wie auch Simone Eisen als gehetzte, etwas schnippische und leicht vergessliche Taube – mit ganzem Körpereinsatz und mit der Sprache. Als Noah hat Andreas Nußbeck einen kurzen Einsatz. Allein die Lieder, zu denen Frank Moesner die Musik komponiert hat, kommen etwas zaghaft. Das liegt auch an einer veralteten Tontechnik. Doch mit etwas mehr Mut zur Lautstärke würden die Songs besser ankommen. Und wer erwartet schon, dass Pinguine schön singen können!

Mannheimer Morgen, 03.12.2018, sd

Gänse treten ins Rampenlicht

Freilichtbühne baut in die Geschichte rund um den Heiligen St. Martin Haustiere ein

Mit neuer Geschichte leiteten die Darsteller der Freilichtbühne die St. Martinsfeier in der Gartenstadt ein. „Mein Papa Joachim Franz hat das Martinsspiel umgeschrieben und neue Figuren eingebaut“, berichtete die neunjährige Naomi. Das Mädchen schlüpfte dafür in die Verkleidung des kleinen Schweinchens. Gemeinsam mit der Wildgans, gespielt von ihrer älteren Schwester, Mia Lelia Franz, lauscht sie den Erzählungen der anderen gefiederten Freunde über den selbstlosen St. Martin. „Insgesamt sind mehr als ein Dutzend Schauspieler beteiligt“, erläuterte Miriam Dallinger. Seit vier Jahren spielt sie selbst schon in dem Ensemble mit. Deshalb sei sie überhaupt nicht mehr aufgeregt, verriet sie. „Dafür bin ich schon zu lange dabei“, präsentierte sich die Nachwuchsdarstellerin sehr selbstbewusst.

Im vergangenen Herbst hatten die Verantwortlichen immerhin 400 Zuschauer gezählt. Auch in diesem Jahr konnte sich die Schauspielertruppe über reichlich Publikum an der Kirchwaldstraße freuen. „Trotzdem haben wir nur vier Mal im Vorfeld der Veranstaltung geprobt“, unterstrich Mia Lelia Franz. Von Nervosität war bei Noah Bendig ebenfalls wenig zu spüren. Für den Neunjährigen war es erst der zweite Auftritt in seinem ersten Jahr an der Freilichtbühne Gartenstadt. Es mache aber riesig Spaß, bestätigte der Junge.

„St. Martin“ Bernhard Schönfelder zählt sich eher zu den Veteranen unter den Darstellern. „Schließlich bin ich schon viele Jahre im Ensemble aktiv“, berichtete er. Er sei über seine Kinder dazu gekommen. „Diese waren hier an der Freilichtbühne zuerst tätig und haben mich damals überzeugt mitzumachen“, erinnerte sich Schönfelder. Auch für „Gans“ Elisabeth Kraft-Dallinger war es keine Frage, in diesem Jahr wieder beim Martinsspiel mitzuwirken. „Da gibt es auch nicht so viel Text zu lernen“, hob sie hervor. In den übrigen Rollen standen Thorsten Köster und Simon Paulus als Soldaten parat. In der Rolle des Bettlers wirkte Achim Reineke, der im vergangenen Jahr seine Premiere gefeiert hatte.

Bläserensemble spielt

Isabell Köster und Hedwig Engmann agierten als Bäuerinnen ebenso souverän. Gänseküken Hendrik Köster war mit seinen acht Jahren jüngster Darsteller. Die Figur der reichen Mutter erweckte Christa Krieger zum Leben. Die Veranstaltung werde in Kooperation mit dem Jugendhaus Waldpforte und dem Bürgerverein Gartenstadt organisiert, berichtete die Ehrenvorsitzende der Freilichtbühne. „So warmes Wetter hatten wir allerdings noch nie“, erinnerte sie sich. Beim anschließenden Umzug setzte das Bläserensemble Blau Weiß Waldhof den musikalischen Rahmen für die Laternenträger. Auf dem Abenteuerspielplatz erwartete die Teilnehmer dann nicht nur eine kleine Stärkung, sondern auch ein hell leuchtendes Martinsfeuer. „Es ist doch wichtig, diese Tradition aufrecht zu erhalten“, resümierte Ehrenvorsitzende Christa Krieger. „Es ist gut für den Nachwuchs, zu wissen, warum er mit Laternen herumläuft“, betonte sie.

Auch im Stadtteil Schönau hatten die Verantwortlichen der Kultur-und Interessengemeinschaft ein Martinsfeuer organisiert, das Isabel Streich und Andrew Stösser entzünden durften. Verantwortlich für das Stapeln der Holzscheite waren Bubi Arndt und Andrea Eisenhaus. Eine Martinsreiterin vom Mampelhof sowie der Posaunenchor der evangelischen Schönaugemeinde hatten zuvor beim Umzug für entsprechende Stimmung unter den 200 Teilnehmern gesorgt. Wienerle mit Brötchen und Brezeln sowie Glühwein und Kaltgetränke garantierten eine entsprechende Stärkung.

Mannheimer Morgen, 14.11.2018, jba

Umjubelte Premiere im Zimmertheater der Freilichtbühne

„Shakespeares Wilde Weiber“- darstellerische Sternstunde und Ladypower pur

William Shakespeare, einer der bedeutendsten Dramatiker überhaupt und auch der Fleißigste (mit sage und schreibe 38 Dramen) hätte seine Freude gehabt an dieser neuen, excellenten Inszenierung im Zimmertheater der Freilichtbühne Mannheim, obwohl er selbst am Ende gar nicht gut wegkommt. Aber die Spielfreude, die Darstellungskunst und das komödiantische Talent der „Wilden Weiber“ Susi Bechtold, Santina Rudolph und
Martina Stahl hätte ihn genau so wie das Publikum begeistert. Man konnte einige Szenen aus den großen Shakespeare-Dramen hautnah und ziemlich authentisch (in „leicht“ abgewandelter Form) und mit flottem „Kostümwechsel“ erleben. Christa Krieger hat mit ihrem neuen Stück „Shakespeares Wilde Weiber“, einer Komödie mit Liedern (vom Feinsten, jedes für sich ein kleiner Höhepunkt, einstudiert von Thomas Nauwartat-
Schulze) von Harald Helfrich, Isabella Leicht und Dorothee Jordan eine unbekannte Perle des zeitgenössischen Theaters ausgegraben und seit April daran intensiv gearbeitet. Allein für die Bewältigung der enormen Text gebührt den Damen ein Riesenlob. Christa Krieger fand Idealbesetzungen für die drei unterschiedlichen Typen. Susi Bechtold ist die abgeklärte und nahezu allwissende Dramaturgin und verhinderte Schauspielerin Andrea, die fast jede Rolle des Casting schon immer mal spielen wollte. Jede Menge Bühnenerfahrung bringt Molly (Martina Stahl) mit, die aber als alleinerziehende Mutter mit Babysitter Bühne und Privatleben in Einklang bringen muss. Die dritte Kandidatin ist die junge, hübsche etwas naive TV-Soap-Darstellerin Julia (Santina Rudolph) – herrlich ihr Reggae-Othello, der Mohr von „Jamaica“ und ihre Liebesattacke gegenüber Hamlet. Sie hat keine Theatererfahrung, kennt nur Leonardo di Caprio als Romeo, brilliert aber in der Balkonszene als liebende Julia mit Molly als Romeo. Als
sexy Ophelia setzt sie ihre weiblichen Waffen gezielt ein, um Hamlet zu erobern. Mit Männern hatten die Damen nie wirklich Glück und das schweißt die Konkurrentinnen nach anfänglichem Zickenkrieg endgültig zusammen, als sie feststellen, dass der Regisseur (von dem man nur die
Stimme hört), ihnen mitteilt, dass keine von den drei Damen für die Rolle in Frage kommt. Es seien nur noch die Hexen übrig! Und schon verwandeln sich die wilden Weiber in anarchistische Hexen (die Eingangsszene des Macbeth) und rechnen mit den chauvinistischen Männern ab. Dabei flippen sie total aus und zweifeln am Ende auch noch an Shakespeare als Verfasser. In der Schlussszene gipfelt das Ganze in einer wilden Phantasie über die Entstehung der Meisterwerke, die ich hier nicht verraten möchte. Auch deutliche Kritik an modernen Inszenierungen berühmter Klassiker, die dann trotzdem höflich beklatscht werden, wird geübt. Zum großen Erfolg des sehenswerten Stückes beigetragen haben auch die Aktiven hinter den Kulissen, denen vom Ensemble und der Regie herzlich gedankt wurde. Unbedingt ins Zimmertheater der Freilichtbühne gehen, „Shakespeares Wilde Weiber“ auf keinen Fall verpassen!

Gartenstadt-Waldhof Journal, Oktober 2018, D. Augstein

Viel mehr als Zickenkrieg

Theater – Freilichtbühne zeigt „Shakespeares wilde Weiber“

Kurzweilig und amüsant ist das Stück, mit dem die Freilichtbühne Mannheim die Saison im Zimmertheater eröffnete. Eigentlich unverständlich, weshalb „Shakespeares wilde Weiber“ so selten zu sehen sind. Die Inszenierung der Komödie mit Musik von Harald Helfrich, Isabella Leicht und Dorothee Jordan ist die erst dritte Aufführung dieser Shakespeare-Collage überhaupt – und die erste, so Regisseurin Christa Krieger, eines Amateurtheaters. Klar, das Stück ist anspruchsvoll. Nicht nur wegen der Songs (Einstudiert von Thomas Nauwartat-Schultze). Es verlangt auch drei richtig gute Frauen unterschiedlichen Typs, die ganz aus sich herausgehen.

Liebestoller Hamlet

Andrea (Susi Bechtold), Julia (Santina Rudolf) und Molly (Martina Stahl) glauben, zum Vorsprechen für „Lady Macbeth” eingeladen zu sein. Sie sind alle überzeugt, die richtige Besetzung zu sein und vertreiben sich die Wartezeit – außer mit Zickenkrieg – damit, Shakespeare-Szenen anzuspielen. Wobei sie, in Umkehrung der Gepflogenheit des 16. Jahrhunderts, auch männliche Rollen übernehmen. So wird Molly, die von ihrer Theater-Erfahrung zehrt, zu Romeo oder zum liebestollen Hamlet. In diesen Zustand wird er/sie durch Sexpüppchen Julia versetzt, die der Ophelia neue Züge verleiht und im Buhlen um den Prinzen die originale Ophelia von Andrea aussticht. Doch die Theaterwissenschaftlerin mit minimaler Bühnenerfahrung hat wenigstens die Chance, all das zu spielen, was „ich schon immer mal wollte.“

Kostüm-Versatzstücke und zweckentfremdete Requisiten machen den Wechsel von Realität zu Rolle nachvollziehbar, besonders gelingt dies Santina Rudolf. Wie bei der vom Mutterinstinkt getriebenen Molly und der spröden Andrea gibt es auch bei ihrer Julia einen Punkt, an dem ihre Fassade bröckelt. Mitten im Liebesgeplänkel mit Romeo bricht aus ihr heraus, weshalb Männer nur „Gelegenheiten auf Zeit“ sind. Doch die Frauen entwickeln auch Theorien über die „wirkliche“ Urheberschaft der Stücke. Christa Krieger und Regiekollege Dominik Kobel gelingt die Balance zwischen Leichtigkeit und Tiefgang, die Akteurinnen danken es mit starkem Spiel, die Zuschauer mit viel Applaus.

Mannheimer Morgen, 08.10.2018, sd

Den Dichter vom Podest holen

Schauspiel: Mannheimer Freilichbühne wagt mit „Shakespeares Wilden Weibern“ eine biestige Verballhornung

Mannheim.William Shakespeare war ein Vielschreiber, produzierte in 23 Jahren 38 Stücke. Andrea weiß sogar, wie viele Worte und Kommata er benutzte, kennt alle Rollen und kann einige Texte zitieren. Doch nun will die Theaterwissenschaftlerin auch selbst auf die Bühne, um die Lady Macbeth zu spielen. Beim Casting trifft sie auf zwei Konkurrentinnen, die ebenso überzeugt sind, die einzig richtige Besetzung zu sein.

Was das Fachwissen betrifft, können sie sich mit der „Klugscheißerin“ (Susi Bechtold) nicht messen, doch Molly, die „Mütterliche“ (Martina Stahl), ist immerhin Schauspielerin und Julia, die „Naive“ (Santina Rudolf), stand schon vor der Filmkamera. Streit und Zickenkrieg sind die Folgen, doch als die Drei merken, dass das Casting gar nicht wirklich stattfinden wird, verbünden sie sich: gegen den abwesenden Regisseur und auch gegen den alten William.

Denn je mehr sie sich mit Othello, König Lear, Romeo und Julia oder Hamlet beschäftigen, desto klarer wird ihnen das reduzierte Frauenbild des englischen Dramatikers aus dem 16. Jahrhundert. Das wollen sie ändern, entwickeln die tollsten Verbesserungstheorien und werden zu „Shakespeares Wilden Weibern.“

Das ist der Titel der Collage mit Liedern von Harald Helfrich, Isabella Leicht und Dorothee Jordan, mit der die Mannheimer Freilichtbühne am 6. Oktober, 20 Uhr, die Herbst- und Wintersaison im Zimmertheater eröffnet. Regie führen Christa Krieger und Dominik Kobel. Die Ehrenvorsitzende, die selten inszeniert, reizte das Stück. „Shakespeare wird Stufe für Stufe vom Podest geholt. Wenn man seine Werke in eine Kurzform bringt, dann handeln sie von Mord, Krieg und Totschlag. Es fließt viel Blut und am Ende gibt es jede Menge Tote“, hatte sie an der „munteren und turbulenten“ Verballhornung des Dichters ebenso viel Vergnügen wie ihre drei Darstellerinnen.

„Es ist keine Boulevardklamotte, sondern der Humor ist sperrig und biestig“, sagt Susi Bechtold. „Am Anfang war das nicht ganz leicht, aber jetzt macht es richtig Spaß.“ Sogar mit den vom Verlag vorgegebenen Liedern hat sich das Trio arrangiert. „Sie spiegeln die Lebenswelt der drei Frauen wider“, erläutert Thomas Nauwartat-Schultze, der die Songs einstudierte.

Mannheimer Morgen, 04.10.2018, sd