Pressespiegel

Umjubelte Premiere im Zimmertheater der Freilichtbühne

„Shakespeares Wilde Weiber“- darstellerische Sternstunde und Ladypower pur

William Shakespeare, einer der bedeutendsten Dramatiker überhaupt und auch der Fleißigste (mit sage und schreibe 38 Dramen) hätte seine Freude gehabt an dieser neuen, excellenten Inszenierung im Zimmertheater der Freilichtbühne Mannheim, obwohl er selbst am Ende gar nicht gut wegkommt. Aber die Spielfreude, die Darstellungskunst und das komödiantische Talent der „Wilden Weiber“ Susi Bechtold, Santina Rudolph und
Martina Stahl hätte ihn genau so wie das Publikum begeistert. Man konnte einige Szenen aus den großen Shakespeare-Dramen hautnah und ziemlich authentisch (in „leicht“ abgewandelter Form) und mit flottem „Kostümwechsel“ erleben. Christa Krieger hat mit ihrem neuen Stück „Shakespeares Wilde Weiber“, einer Komödie mit Liedern (vom Feinsten, jedes für sich ein kleiner Höhepunkt, einstudiert von Thomas Nauwartat-
Schulze) von Harald Helfrich, Isabella Leicht und Dorothee Jordan eine unbekannte Perle des zeitgenössischen Theaters ausgegraben und seit April daran intensiv gearbeitet. Allein für die Bewältigung der enormen Text gebührt den Damen ein Riesenlob. Christa Krieger fand Idealbesetzungen für die drei unterschiedlichen Typen. Susi Bechtold ist die abgeklärte und nahezu allwissende Dramaturgin und verhinderte Schauspielerin Andrea, die fast jede Rolle des Casting schon immer mal spielen wollte. Jede Menge Bühnenerfahrung bringt Molly (Martina Stahl) mit, die aber als alleinerziehende Mutter mit Babysitter Bühne und Privatleben in Einklang bringen muss. Die dritte Kandidatin ist die junge, hübsche etwas naive TV-Soap-Darstellerin Julia (Santina Rudolph) – herrlich ihr Reggae-Othello, der Mohr von „Jamaica“ und ihre Liebesattacke gegenüber Hamlet. Sie hat keine Theatererfahrung, kennt nur Leonardo di Caprio als Romeo, brilliert aber in der Balkonszene als liebende Julia mit Molly als Romeo. Als
sexy Ophelia setzt sie ihre weiblichen Waffen gezielt ein, um Hamlet zu erobern. Mit Männern hatten die Damen nie wirklich Glück und das schweißt die Konkurrentinnen nach anfänglichem Zickenkrieg endgültig zusammen, als sie feststellen, dass der Regisseur (von dem man nur die
Stimme hört), ihnen mitteilt, dass keine von den drei Damen für die Rolle in Frage kommt. Es seien nur noch die Hexen übrig! Und schon verwandeln sich die wilden Weiber in anarchistische Hexen (die Eingangsszene des Macbeth) und rechnen mit den chauvinistischen Männern ab. Dabei flippen sie total aus und zweifeln am Ende auch noch an Shakespeare als Verfasser. In der Schlussszene gipfelt das Ganze in einer wilden Phantasie über die Entstehung der Meisterwerke, die ich hier nicht verraten möchte. Auch deutliche Kritik an modernen Inszenierungen berühmter Klassiker, die dann trotzdem höflich beklatscht werden, wird geübt. Zum großen Erfolg des sehenswerten Stückes beigetragen haben auch die Aktiven hinter den Kulissen, denen vom Ensemble und der Regie herzlich gedankt wurde. Unbedingt ins Zimmertheater der Freilichtbühne gehen, „Shakespeares Wilde Weiber“ auf keinen Fall verpassen!

Gartenstadt-Waldhof Journal, Oktober 2018, D. Augstein

Viel mehr als Zickenkrieg

Theater – Freilichtbühne zeigt „Shakespeares wilde Weiber“

Kurzweilig und amüsant ist das Stück, mit dem die Freilichtbühne Mannheim die Saison im Zimmertheater eröffnete. Eigentlich unverständlich, weshalb „Shakespeares wilde Weiber“ so selten zu sehen sind. Die Inszenierung der Komödie mit Musik von Harald Helfrich, Isabella Leicht und Dorothee Jordan ist die erst dritte Aufführung dieser Shakespeare-Collage überhaupt – und die erste, so Regisseurin Christa Krieger, eines Amateurtheaters. Klar, das Stück ist anspruchsvoll. Nicht nur wegen der Songs (Einstudiert von Thomas Nauwartat-Schultze). Es verlangt auch drei richtig gute Frauen unterschiedlichen Typs, die ganz aus sich herausgehen.

Liebestoller Hamlet

Andrea (Susi Bechtold), Julia (Santina Rudolf) und Molly (Martina Stahl) glauben, zum Vorsprechen für „Lady Macbeth” eingeladen zu sein. Sie sind alle überzeugt, die richtige Besetzung zu sein und vertreiben sich die Wartezeit – außer mit Zickenkrieg – damit, Shakespeare-Szenen anzuspielen. Wobei sie, in Umkehrung der Gepflogenheit des 16. Jahrhunderts, auch männliche Rollen übernehmen. So wird Molly, die von ihrer Theater-Erfahrung zehrt, zu Romeo oder zum liebestollen Hamlet. In diesen Zustand wird er/sie durch Sexpüppchen Julia versetzt, die der Ophelia neue Züge verleiht und im Buhlen um den Prinzen die originale Ophelia von Andrea aussticht. Doch die Theaterwissenschaftlerin mit minimaler Bühnenerfahrung hat wenigstens die Chance, all das zu spielen, was „ich schon immer mal wollte.“

Kostüm-Versatzstücke und zweckentfremdete Requisiten machen den Wechsel von Realität zu Rolle nachvollziehbar, besonders gelingt dies Santina Rudolf. Wie bei der vom Mutterinstinkt getriebenen Molly und der spröden Andrea gibt es auch bei ihrer Julia einen Punkt, an dem ihre Fassade bröckelt. Mitten im Liebesgeplänkel mit Romeo bricht aus ihr heraus, weshalb Männer nur „Gelegenheiten auf Zeit“ sind. Doch die Frauen entwickeln auch Theorien über die „wirkliche“ Urheberschaft der Stücke. Christa Krieger und Regiekollege Dominik Kobel gelingt die Balance zwischen Leichtigkeit und Tiefgang, die Akteurinnen danken es mit starkem Spiel, die Zuschauer mit viel Applaus.

Mannheimer Morgen, 08.10.2018, sd

Den Dichter vom Podest holen

Schauspiel: Mannheimer Freilichbühne wagt mit „Shakespeares Wilden Weibern“ eine biestige Verballhornung

Mannheim.William Shakespeare war ein Vielschreiber, produzierte in 23 Jahren 38 Stücke. Andrea weiß sogar, wie viele Worte und Kommata er benutzte, kennt alle Rollen und kann einige Texte zitieren. Doch nun will die Theaterwissenschaftlerin auch selbst auf die Bühne, um die Lady Macbeth zu spielen. Beim Casting trifft sie auf zwei Konkurrentinnen, die ebenso überzeugt sind, die einzig richtige Besetzung zu sein.

Was das Fachwissen betrifft, können sie sich mit der „Klugscheißerin“ (Susi Bechtold) nicht messen, doch Molly, die „Mütterliche“ (Martina Stahl), ist immerhin Schauspielerin und Julia, die „Naive“ (Santina Rudolf), stand schon vor der Filmkamera. Streit und Zickenkrieg sind die Folgen, doch als die Drei merken, dass das Casting gar nicht wirklich stattfinden wird, verbünden sie sich: gegen den abwesenden Regisseur und auch gegen den alten William.

Denn je mehr sie sich mit Othello, König Lear, Romeo und Julia oder Hamlet beschäftigen, desto klarer wird ihnen das reduzierte Frauenbild des englischen Dramatikers aus dem 16. Jahrhundert. Das wollen sie ändern, entwickeln die tollsten Verbesserungstheorien und werden zu „Shakespeares Wilden Weibern.“

Das ist der Titel der Collage mit Liedern von Harald Helfrich, Isabella Leicht und Dorothee Jordan, mit der die Mannheimer Freilichtbühne am 6. Oktober, 20 Uhr, die Herbst- und Wintersaison im Zimmertheater eröffnet. Regie führen Christa Krieger und Dominik Kobel. Die Ehrenvorsitzende, die selten inszeniert, reizte das Stück. „Shakespeare wird Stufe für Stufe vom Podest geholt. Wenn man seine Werke in eine Kurzform bringt, dann handeln sie von Mord, Krieg und Totschlag. Es fließt viel Blut und am Ende gibt es jede Menge Tote“, hatte sie an der „munteren und turbulenten“ Verballhornung des Dichters ebenso viel Vergnügen wie ihre drei Darstellerinnen.

„Es ist keine Boulevardklamotte, sondern der Humor ist sperrig und biestig“, sagt Susi Bechtold. „Am Anfang war das nicht ganz leicht, aber jetzt macht es richtig Spaß.“ Sogar mit den vom Verlag vorgegebenen Liedern hat sich das Trio arrangiert. „Sie spiegeln die Lebenswelt der drei Frauen wider“, erläutert Thomas Nauwartat-Schultze, der die Songs einstudierte.

Mannheimer Morgen, 04.10.2018, sd

Bodenständige Anlehnung an William Shakespeare

Herbst- und Wintersaison Zimmertheater der Freilichtbühne zeigt Komödien mit Witz und Musik

Im Herbst und Winter wird im Zimmertheater der Freilichtbühne viel gelacht. Lustig und herzzerreißend ist das Weihnachtsstück „An der Arche um Acht“, viel bissiger Humor steckt in „Shakespeares Wilde Weiber“. Beide Komödien eint, dass in ihnen auch gesungen wird.

In der Shakespeare-Collage von Harald Helfrich, Isabella Leicht und Dorothee Jordan fühlen sich drei Frauen berufen, die Lady Macbeth zu spielen und die Konkurrentinnen jeweils auszustechen. Theaterwissenschaftlerin Andrea (Susi Bechtold) ist die Einzige der Drei, die die Stücke des englischen Dramatikers aus dem 16. Jahrhundert kennt, sie stand jedoch noch nie auf der Bühne. Anders dagegen Molly (Martina Stahl). Aber ihr Interesse gilt hauptsächlich ihrem Kind, weniger der Kunst. Keinerlei Ahnung von Klassikern hat Julia (Santina Rudolf), sie kennt nur Leonardo DiCaprio in der Rolle des Romeo. Dass das Casting nur eine Täuschung ist, merken die Drei schnell.

Immer wieder Zickenkrieg

Doch sie geben nicht auf. Und je mehr sie sich mit Shakespeares Stücken beschäftigen – immer wieder werden auch Originalpassagen zitiert –, desto klarer wird ihnen, dass „Willi“ seine Frauenfiguren im Grunde auf die Klugscheißerin, die Naive und die Mütterliche eingeschränkt hat. Das wollen sie ändern. Manchmal ziehen sie an einem Strang, doch es kommt auch immer wieder zum Zickenkrieg. „Stufe für Stufe wird Shakespeare vom Podest geholt und entmythologisiert“, sagt Regisseurin Christa Krieger, die „allein des Stückes wegen“ die Seiten gewechselt hat. Denn die Ehrenvorsitzende der Freilichtbühne sieht man sonst eher auf der Bühne. „Es war nicht ganz einfach, die drei Frauen zu finden. Aber es ist toll, wie sie sich entwickelt haben. Wir haben richtig viel Spaß“, freuen sich Krieger, ihr Regieassistent Dominik Kobel und ihr Trio auf den Premierenabend am Samstag, 6. Oktober. „Es war schwierig, ich weiß jetzt, dass ich nie einen Shakespeare in der alten Sprache spielen werde“, hat Susi Bechtold während der seit April dauernden Probenphase gelernt. „Aber das Stück ist es wert, sich reinzuknien. Denn es zeigt nicht nur die Verrücktheiten der Frauen, sondern lässt auch ihre Fassaden bröckeln, geht in die Tiefe ihrer Seelen“, ist sie sich mit Kollegin Martina Stahl einig.

Noch bis 1. Dezember hat das fünfköpfige Ensemble Zeit, mit dem Thomas Nauwartat-Schultze „An der Arche um Acht“ inszeniert. Das gleichnamige Kinderbuch von Ulrich Hub, das der Autor selbst dramatisierte und das 2006 den Deutschen Kindertheaterpreis erhielt, handelt von drei Pinguinen, die angesichts der Sintflut von der Friedenstaube nur zwei Tickets für die Arche erhalten haben. Aber sie wollen niemanden zurücklassen. „Es geht um Werte, um Freundschaft und um Glaube“, beschreibt Nauwartat-Schultze den Kern der witzigen, bewegungsintensiven Komödie, die ihn sofort gefangen nahm. „Simone Eisen, unsere Taube, hat es entdeckt, und ich wusste nach der ersten Seite, dass ich es machen wollte.“ Genauso erging es seinen Akteuren. „Ich wollte nach der Sommersaison pausieren, aber dann fiel jemand aus, und ich habe schnell zugesagt“, musste Bastian Bauer, der die Hauptrolle im Sommerstück „Der kleine Ritter Trenk“ spielte, nicht lange überlegen.

Auch Manuel Scheiber, der sein schauspielerisches Debüt gibt, war vom Textbuch überzeugt. „Es ist kindgerechtes Theater zum Lernen –nicht nur für Kinder.“ Weil sie singen kann und Mitglied in seinem Chor ist, stand Bettina Robl auf Nauwartats Wunsch-Besetzungsliste ganz oben. Denn in der Arche kommen vom Verlag verlangte Lieder vor. Die Musik dazu war eine Auftragsarbeit der Freilichtbühne an den Komponisten Frank Moesner.

Mannheimer Morgen, 01.10.2018, sd

„Ein Käfig voller Narren“ und „Der kleine Ritter Trenk“ begeistern durchweg das Publikum der Freilichtbühne Mannheim

Stürmischer Applaus und sogar „Standing Ovations“ durchweg für exzellente Ensemble-Leistungen und bestes Amateurtheater-Entertainment unter freiem Himmel. Schon zum Auftakt war klar, diese Saison wird wieder einmal eine umjubelte Sommersaison der 105 Jahre alten Freilichtbühne Mannheim, in der Kirchwaldstraße in der Gartenstadt, direkt am Waldrand gelegen. Zum einen mit „Ein Käfig voller Narren“, einer berühmten Kultkomödie von Jean Poiret. Sie zeigt einen unterhaltsam-nachdenklicher Blick hinter die Kulissen eines Schwulen-Nachtclubs, zeigt die Probleme eines gleichgeschlechtlichen Paares (mit komödiantischen Glanzleistungen von Matthias Heckmann und Michael Knapp) mit sich selbst und einer konservativ-spießigen Familie. Pointiert, amüsant und Zwerchfell erschütternd die Inszenierung von FLB-Routinier Markus Muth, der, wie er sagt, schon viele Jahre mit dem Gedanken gespielt hat, diese Gesellschaftskomödie mit ganz besonderem Flair, auf die Bühne zu bringen. Es ist ihm vortrefflich gelungen. Zum anderen mit „Der kleine Ritter Trenk“, nach einem Kinderbuch von Kirsten Boie. Ein wunderschöner authentischer Bilderbogen aus dem Mittelalter mit einem mutigen Bauernjungen, der „Nein“ sagt zu dem scheinbar ungeschriebenen Gesetz „Leibeigen geboren, leibeigen gestorben, leibeigen ein Leben lang“. Sehr unterhaltsam von dem eingespielten Regie-Duo Monika Kaufmann und Bärbel Steegmüller mit einer klaren Botschaft auf die Bühne gezaubert. Ca. 100 Aktive vor und hinter den Kulissen aus allen Generationen, begeistern durch ihr Spiel und sorgen für eine Superstimmung. Noch bis in den August hinein lädt die Frau Bürgermeisterin von St.Tropez (Ehrenvorsitzende Christa Krieger) „Ein Käfig voller Narren“ und „Der kleine Ritter Trenk“ begeistern durchweg das Publikum der Freilichtbühne Mannheim in den spektakulären „Käfig voller Narren“ ein. Zwei Stunden Lachen mit einem kräftigen Schuss Nachdenklichkeit. Sonntags um 16 Uhr dürfen sich die kleinen und großen Zuschauer auf die Abenteuer des mutigen „Kleinen Ritters Trenk“ (Bastian Bauer) freuen, auf seine „emanzipierte“ Freundin „Cousine“ Thekla (Annika Ziesche), die nicht einsieht, warum ein Mädchen nicht Ritter werden kann und natürlich auf das possierliche kleine Ferkelchen (Noemi Franz).

Gespielt wird noch: „Käfig voller Narren“ jeweils Freitag und Samstag zu folgenden Terminen im Juli am 20., 21., 27., 28. und im August am Donnerstag und Freitag 04. und letzte Vorstellung am 05. Spielbeginn jeweils 20.00 Uhr

Die Abenteuer des „Trenk“ jeweils am Sonntag 22. und 29. im Juli und im August Samstag den 4. und am Sonntag den 05. ist Abschluss. Spielbeginn jeweils 16.00 Uhr.

Gartenstadt Journal, Juli 2018, daug

Verwirrung im Nachtclub

Premiere für neues Stück auf der Freilichtbühne

GARTENSTADT. Zum großen Finale präsentierten sich noch einmal all die schrillen Figuren dem begeisterten Publikum, die knapp zwei Stunden lang die Besucher der Freilichtbühne bei der Premiere von „Ein Käfi g voller Narren“ begeistert hatten. Auf der vollbesetzten Freilichtbühne ging damit mit einem kleinen Feuerwerk ein bestens gelungener Premierenabend zu Ende, bei dem sich die (Laien-)Darsteller wirklich in allerbester Form und mit viel Spielfreude präsentiert hatten. Das Stück von Jean Poiret ist ja eigentlich hinreichend bekannt. Es aber auf einer großen Freilichtbühne zu präsentieren, war schon eine besondere Herausforderung, die von Darstellern und Regie bestens gemeistert wurde. Bisher waren die für eine Aufführung erforderlichen Rechte jahrelang aus unklaren Gründen nicht erhältlich. Erst vor zwei Jahren ergab sich hier die Möglichkeit, die von der Freilichtbühne dann auch umgesetzt wurde. Die Komödie ist in ihrer Grundproblematik im Großen und Ganzen noch immer zeitgemäß, lediglich im Bereich von Kleinigkeiten laut Einschätzung der Schauspieler etwas „angestaubt“. Die größte Herausforderung für die Regie war die Umsetzung eines klassischen „Indoor“-Stückes auf die große Außenbühne, was insbesondere in einem deutlich größeren Volumen in der Statisterie begründet war. Des Weiteren war auch der Bühnenbau wesentlich aufwendiger als sonst üblich. Immerhin standen nicht weniger als 36 Darsteller und ein Hund auf der Bühne. Die Besucher erlebten die Geschichte des schwulen Besitzers des Nachtclubs „La Cage aux Folles“ Georges und seiner großen Liebe Albin, dem Star der abendlichen Show, die beide plötzlich vor einem großen Problem stehen. Denn Laurent, der Sohn von Georges
aus seiner einzigen Beziehung mit einer Frau, den aber die beiden groß gezogen haben, möchte heiraten. Die Auserwählte Muriel stammt aus einer erzkonservativen Familie, die quasi schon zum Antrittsbesuch vor der Tür steht. Was also tun? Dem Einfallsreichtum der beiden sind nun kaum Grenzen gesetzt, zumal sich auch noch Laurents Mutter angesagt hat. Zuerst einmal muss die Tür zum Club verstellt werden, aus Attila, dem etwas tuntigen Haushälter, soll ein vorzeigbarer Butler werden, und überdies gilt es zu verhindern, dass ständig irgendwelche schrillen Gestalten auftauchen. Außerdem muss natürlich auch aus dem plüschigen „Ambiente“ ein bürgerliches Wohnzimmer gemacht werden. Keine leichte Aufgabe für die beiden, zumal auch Laurents Mutter auf sich warten lässt. Kurzerhand wirft sich Albin in Frauenklamotten und mimt die Hausherrin. Klar ist aber auch, dass diese Fassade nicht lange aufrechterhalten werden kann, schon gar nicht, als Laurents richtige Mutter doch noch auftaucht und für zusätzliche Verwirrung sorgt. Laut den Beteiligten gestalteten sich die Proben streckenweise sehr lustig. Hierbei spielte besonders die Umstellung auf eine völlig andere Körperhaltung ebenso eine Rolle, wie die gesamte Wandlung auf mehr Weiblichkeit, welche sowohl durch die Kleidung als auch das Tragen von hohen Schuhen ihre Wirkung entfaltet. Auf konkrete Nachfrage gaben die Protagonisten zu Protokoll, dass sie es generell
als schwierig empfanden, als Heterosexuelle in die Rolle der Homosexuellen zu schlüpfen und hierbei auch vorrangig darauf zu achten, letztlich nicht in Klamauk zu verfallen. Logistisch gesehen, ist das mehrfach erforderliche Umschminken und Umkleiden eine wahre Herausforderung
für die Schauspieler. „Die Maske macht etwas mit uns“, ist eine der Beschreibungen, welche in der Gesprächsrunde fällt, „die Verwandlung hilft bei
der Bewusstseinsentwicklung“, so eine abschließende Erläuterung. Turbulent geht es bei dem Stück auf der Bühne und den diversen „Nebenschauplätzen“ zu und am Ende wissen wir: Irgendwie sind wir doch alle ein wenig gaga, oder? Um das zu erfahren, muss man natürlich in eine der nächsten Vorstellungen gehen. Die sind am Freitag, 13., Samstag, 14., Freitag, 20., Samstag, 21., Freitag, 27. und Samstag 28. Juli, jeweils um 20 Uhr sowie noch im August auf der Freilichtbühne, Mannheim-Gartenstadt, Kirchwaldstraße angesetzt.

Nordnachrichten Mannheim, Juli 2018, mhs/bi

„Ein Käfig voller Narren“ und „Der kleine Ritter Trenk“ begeistern Premierenpublikum der Freilichtbühne Mannheim

Zweimal ausverkaufte Premieren-Vorstellungen, stürmischer Applaus und sogar „Standing Ovations“ für exzellente Ensemble-Leistungen und bestes Amateurtheater-Entertainment unter freiem Himmel bei Kaiserwetter. Es war ein doppelt umjubelter Auftakt der diesjährigen Sommersaison der 105 Jahre alten Freilichtbühne Mannheim, in der Kirchwaldstraße in der Gartenstadt, direkt am Waldrand gelegen.
Zum einen mit „Ein Käfig voller Narren“, einer berühmten Kultkomödie von Jean Poiret. Sie zeigt ein unterhaltsam-nachdenklicher Blick hinter die Kulissen eines Schwulen-Nachtclubs, zeigt die Probleme eines gleichgeschlechtlichen Paares (mit komödiantischen Glanzleistungen von Matthias Heckmann und Michael Knapp) mit sich selbst und einer konservativ-spießigen Familie. Pointiert, amüsant und Zwerchfell erschütternd die Inszenierung von FLB-Routinier Markus Muth.
Zum anderen mit „Der kleine Ritter Trenk“, nach einem Kinderbuch von Kirsten Boie. Ein wunderschöner authentischer Bilderbogen aus dem Mittelalter mit einem mutigen Bauernjungen, der „Nein“ sagt zu dem scheinbar ungeschriebenen Gesetz „Leibeigen geboren, leibeigen gestorben, leibeigen ein Leben lang“. Sehr unterhaltsam von dem eingespielten Regie-Duo Monika Kaufmann und Bärbel Steegmüller mit einer klaren Botschaft auf die Bühne gezaubert. Ca. 100 Aktive vor und hinter den Kulissen aus allen Generationen, begeistern durch ihr Spiel und sorgen für eine Superstimmung.
Noch bis in den August hinein lädt die Frau Bürgermeisterin von St.Tropez (Ehrenvorsitzende Christa Krieger) noch in den spektakulären „Käfig voller Narren“ ein. Zwei Stunden Lachen mit einem kräftigen Schuss Nachdenklichkeit.
Sonntags um 16 Uhr dürfen sich die kleinen und großen Zuschauer auf die Abenteuer des mutigen „Kleinen Ritter Trenk“ (Bastian Bauer) freuen, auf seine „emanzipierte“ Freundin „Cousine“ Thekla (Annika Ziesche), die nicht einsieht, warum ein Mädchen nicht Ritter werden kann und natürlich auf das possierliche kleine Ferkelchen (Noemi Franz).

Metropoljournal, 27. Juni 2018

Ein Käfig voller Narren

Zum großen Finale präsentierten sich noch einmal all die schrillen Figuren dem begeisterten Publikum, die knapp zwei Stunden lang die Besucher der Freilichtbühne bei der Premiere von „Ein Käfig voller Narren“ begeistert hatten.  Auf der voll besetzten Freilichtbühne ging damit ein bestens gelungener Premierenabend zu Ende.

Das Stück von Jean Poiret ist ja eigentlich hinreichend bekannt. Es aber auf einer großen Freilichtbühne zu präsentieren war schon eine Herausforderung, die allerdings bestens gemeistert wurde. Immerhin standen nicht weniger als 36 Darsteller und ein Hund auf der Bühne.

Die Besucher erlebten die Geschichte des schwulen Besitzers des Nachtclubs „La Cage aux Folles“ Georges und seiner großen Liebe Albin, dem Star der abendlichen Show, die plötzlich vor einem großen Problem stehen.

Denn  der Sohn von Georges aus seiner einzigen Beziehung mit einer Frau möchte heiraten, die Auserwählte stammt aus einer erzkonservativen Familie, die quasi schon zum Antrittsbesuch vor der Tür stehen. Was also tun? Dem Einfallsreichtum der beiden sind kaum Grenzen gesetzt.

Wie das turbulente Stück weiter geht und welche Wendung es nimmt, das erfahren Sie in der kommenden Ausgabe der Nord-Nachrichten vom 12. Juli.

Stadtteil-Portal Mannheim, 19.06.2018, mhs

Gemeinsamer Sieg gegen den Drachen

Theater – Auf der Freilichtbühne feierte das Familienstück „Der kleine Ritter Trenk“ Premiere / 54 Darsteller mit dabei

„Leibeigen geboren, leibeigen gestorben, leibeigen ein Leben lang“ – das ist der Kernsatz von „Der kleine Ritter Trenk“, dem Kinderstück der Mannheimer Freilichtbühne. Wie daraus am Ende ein „leibeigen geboren, als Ritter gestorben, tapfer ein Leben lang“ wird, ist der Inhalt des auf dem Buch von Kristen Boie beruhenden Theaterstückes, das bei der ausverkauften Premiere verdientermaßen gefeiert wurde.

Es geht um das schwere Leben im Mittelalter, in dem das Landvolk keinerlei Rechte, sondern nur Pflichten hat. In dem die Bauern von ihrer Arbeit nicht leben können und dennoch ihre Abgaben leisten müssen. Auch Trenks Vater (Hubert Schumm) gehört zu den Geschundenen, wird regelmäßig im Kerker geprügelt – weshalb er den Familiennamen Tausendschlag erhielt.

Der Sohn will sich mit der erblichen Leibeigenschaft nicht abfinden und ganz nach dem Motto „Stadtluft macht frei“ fern vom Land ein neues Leben beginnen. Zusammen mit Ferkelchen macht er sich auf den Weg und trifft als erstes auf den Gaukler Momme Mumm (Simon Paulus), der, weil noch ohne Bartwuchs, in seiner auch Schauspielertruppe alle Frauenrollen spielt und deshalb ein Kleid trägt.

Betrug durchschaut

Aber erst die Bekanntschaft mit dem überängstlichen Rittersohn Zink (Paul Kaufmann) stellt die Weichen: Nach dem Willen von Zinks Vater Ritter Dietz von Dugelstein (Peter Ziesche), soll sich Trenk statt Zink beim Onkel, dem Ritter Hans von Hohenlob (Thorsten Köster), zum Ritter ausbilden lassen. Was er mit Freuden beginnt. Aber nicht nur Trenk bricht so aus einer eigentlich strafbaren Rollenzuweisung aus. Auch von Hohenlobs taffe Tochter Thekla will sich nicht damit abfinden, nur zu sticken und Suppe zu kochen und macht mit Trenk einen Deal: Sie verrät nicht, dass sie den Betrug durchschaut hat, im Gegenzug soll er ihr alles beibringen, was er als Ritter-Azubi lernt. Natürlich gibt es einige Klippen zu überwinden, weil der böse Ritter Wertholt der Wüterich (Andreas Burger) plötzlich Hans von Hohenlob zum Turnier fordert – wozu der keinerlei Lust hat und einen Stellvertreter entsendet. Als Wüterich den Betrug ahnt, verlangt die Fürstin (Elisabeth Kraft-Dallinger) einen weiteren Beweis von Tapferkeit und schickt die beiden Ritter aus, den gefährlichen Drachen zu besiegen. Eine tolle Aufgabe für Trenk und Thekla, die beide auch gemeinsam meistern. Doch wie das genau abläuft, wird wegen vieler überraschender Wendungen nicht verraten.

Monika Kaufmann und Bärbel Stegmüller haben das Stück nicht nur kindgerecht auf die Bühne gebracht, sondern entfachen dort auch ein Feuerwerk an Action und Farben. Zwei Erzähler aus der Gegenwart übermitteln das Wichtigste zum Verständnis des Mittelalters und sind auch das epische Bindeglied zwischen den einzelnen Stationen. Blitzschnell verwandelt sich die Bühne vom ärmlichen Dorf zum bunten städtischen Markt, zum Turnierplatz, zum Speisesaal der Burg oder zum unheimlichen Wald. Da hat das Regie-Duo, das auch für die wunderbaren Kostüme zuständig war, wieder alle Ideen sprühen lassen, was auch bei der zehnjährigen Maren aus Hirschberg Wirkung zeigte: „Mir haben besonders die Kulissen gefallen.“ Leisere und tiefgehende Szenen wechseln sich mit Lachnummern und Action ab, es gibt Kampfgetümmel mit Gefechten, ein Turnier mit Überraschungen und einen effektvollen Tanz der Drachenkinder. „Der Drache ist der Hammer“, waren sich Dorian (sechs) und seine mit ihm Geburtstag feiernden Freunde einig.

54 durchweg spielfreudige Personen bevölkern im „Ritter Trenk“ die Bühne, ein besonderes Lob gebührt Noemi Franz als Ferkelchen – nicht nur der Liebling von Jakob (drei), Vanessa (zehn), David (8), Paul (13) und Pauline (neun). Sie hat zwar keinen Text, war aber zwei Stunden präsent und verließ keine Sekunde ihre Rolle. Genauso überzeugten Bastian Bauer (Trenk), Annika Ziesche (Thekla) und die Erzähler (Vera Arndt, Sebastian Kaufmann).

Mannheimer Morgen, 19.06.2018, sd

Die ganze Stadt ist eine Glitzerwelt

Schauspiel – Das Ensemble der Freilichtbühne zeigt in der Mannheimer Gartenstadt die Komödie „Ein Käfig voller Narren“

Idyllisch liegt die Freilichtbühne und offen kann der Geist dort unter sommerlichem Himmel schweben. Dass das abgeschlossene Milieu eines schwulen Varietés mit viel Blink-Blink da nur schwer reinpasst, wusste auch das Team der Freilichtbühne in ihrem diesjährigen Sommerstück „Ein Käfig voller Narren“.

Den Tanzschuppen „La Cage aux Folles“, den das Ehepaar Georges und Albin in Saint-Tropez leiten und in deren Wohnzimmer das Stück im Original von Jean Poiret gleich einem Kammerspiel spielt, öffnet Regisseur Markus Muth daher wohl bedacht in die Stadt hinein. Da gibt es neben dem schwulen Raum, herrlich platt ausgestattet mit Tiger-Kissen und pinken Katzen-Bildern, mit Bistro und Bäckerei Plätze des öffentlichen Stadtlebens, die parallel zum Hauptgeschehen bespielt werden. Allerlei Transvestiten tummeln sich da, aber auch Omas und Geschäftsleute. Die Narretei, die schillernd-schwule Prunksucht und Überdrehtheit dieses 1973 von Poiret erdachten Varietés ist also keine Absonderlichkeit mehr, sondern mitten im Leben angekommen.

Varieté-Welt im Wohnzimmer

Und so wundert es in der toleranten Stadt niemanden, wenn Leder-Bären-Männer durch die Straße laufen, minderjährige Jungs Typus Mädchenschwarm das Varieté erstürmen und deren Besitzer Georges (Matthias Heckmann) und Albin (Michael Knapp) im Straßenbistro nasalierend und wild gestikulierend streiten. Grund zum Streit haben beide genug, denn der Sohn Georges aus einem früheren Leben möchte heiraten, die neuen (konservativen) Schwiegereltern kommen zu Besuch, und das schwule, so affektierte Paar soll schnell kanalarbeitermännlich werden.

Eine verzwickte Geschichte, die Knapp mit viel Kopfstimme und wunderbarer grotesk-tragischer Gebärde und Heckmann mit grandiosem Mienenspiel nicht entwirren können. Da zuckt nun also Heckmanns Schnurrbart und die Augen kullern fleißig und Knapp stolziert furienhaft-melodisch durch Saint-Tropez. Der Mensch ist, wie er ist: verschieden, und das ist gut so.

Grundlegend menschlich ist das alles, geht es um Liebe, Familie und den Wunsch, dazuzugehören. Dafür entglitzert Muth das Varieté und modernisiert behutsam, etwa indem er aus dem schwarzen Hausangestellten einen weißen macht. Die Gedanken fliegen also in diesem kuriosen Narrenkäfig, der weder närrisch noch Käfig ist. Mit stürmischem Applaus bedankt sich das Publikum für die bemerkenswerte Leistung der 36 Laien-Schauspieler.

Mannheimer Morgen, 17. Juni 2018, igl