Pressespiegel
Magische Premiere in Mannheim: „Die Schneekönigin“ begeistert Groß und Klein
Mit viel Engagement und Herz bringt das junge Ensemble eine bezaubernde Inszenierung auf die Freilichtbühne Mannheim.
Am Anfang steht immer die Wahl des Stücks. Für die Spielzeit 2025/2026 entschied sich der Spielleitkreis der Freilichtbühne Mannheim für „Die Schneekönigin“ – ein Entschluss, der sofort für große Freude sorgte. Nicht nur, weil das Märchen zu den beliebtesten Klassikern gehört, sondern weil für die künstlerische Leitung schnell klar war: Dieses Stück bietet eine Fülle fantastischer Figuren und damit ideale Voraussetzungen für ein lebendiges Kindertheaterprojekt.
Für Regisseur Paul Kaufmann war die Entscheidung mehr als eine reine Programmwahl. „,Die Schneekönigin‘ ist nicht irgendein Stück – sie hat für uns eine besondere Bedeutung“, betonte er. Bereits 2008 wurde das Märchen in einer Fassung von Dorota Haß-Wojsyk und Walter Passan im Zimmertheater der Freilichtbühne gespielt. Kaufmann erinnert sich: „Für mich ist es mehr als nur ein Stück. Mit der Schneekönigin begann vor vielen Jahren mein Zugang zu einer Kinderparabel meiner eigenen Kindheit. Ob Märchen oder Abenteuer – für mich ist es einfach eine wunderbare Geschichte.“
Aufwendig gestaltete Bühne und atmosphärisch stimmige Musik in Mannheim
Doch die Arbeit am Text stellte auch eine Herausforderung dar. Die alte Fassung von 2008 konnte dank der Freigabe von Dorota Haß-Wojsyk für Kinder verändert werden. Die sorgfältige und leidenschaftliche Arbeit spiegelte sich nun eindrucksvoll in der Premiere wider. Schon die ersten Bilder führten in den hohen Norden, wo ein eisiger Wind über endlose Schneeweiten fegt und die Schneekönigin in ihrem gläsernen Palast herrscht. Die aufwendig gestaltete Bühne und die atmosphärisch stimmige Musik ließen die Märchenwelt sofort lebendig werden.
Im Zentrum der Geschichte stehen die Kinder Gerda und Kai, deren enge Freundschaft warm und glaubhaft erzählt wurde. Ihr unbeschwertes Spiel endete abrupt, als ein gewaltiger Schneesturm über die Bühne fegte und Kai der geheimnisvollen Schneekönigin begegnete. Der Moment, in dem sein Herz zu Eis erstarrt, war einer der emotional stärksten des Abends – das Publikum hielt spürbar den Atem an.
Eine Szene, die viele Zuschauerinnen und Zuschauer sichtlich bewegte
Es folgte Gerdas lange, hoffnungsvolle Suche nach ihrem Freund, eine Reise durch vier Jahreszeiten. Der Frühling zeigte den farbenfrohen Garten der Blumenfrau, märchenhaft ausgestattet. Im Sommer spielten humorvolle Szenen mit Rabe Rudi und seiner Gefährtin, die für viele Lacher sorgten. Der Herbst brachte die Begegnung mit der wilden Räuberbande, packend inszeniert und mit starkem Spiel der Jugendlichen. Schließlich erreichte Gerda das eisige Reich der Schneekönigin – ein Highlight der Produktion. Schimmernde Kostüme, glitzernde Lichtstimmungen und der nahezu stille Klangraum machten die Szene zu einem besonderen Erlebnis.
Zwischen all dem Frost fand Gerda schließlich Kai. Mit Mut, Liebe und Beharrlichkeit schmolz sie sein gefrorenes Herz – eine Szene, die viele Zuschauerinnen und Zuschauer sichtlich bewegte. Erst als Kai wieder lächeln konnte, wich die Stille im Zuschauerraum einem erleichterten Aufatmen. Zum Abschluss belohnte das Publikum das Ensemble mit langanhaltendem Applaus. Die Premiere zeigte eindrucksvoll, wie viel Engagement, Nachwuchsarbeit, Herz und Handwerk in dieser Inszenierung stecken.
Mannheimer Morgen, 22.12.2025, Wolfgang Neuberth
Premiere der Freilichtbühne Mannheim: Eine Farce läuft aus dem Ruder
Die Freilichtbühne Mannheim begeistert im Zimmertheater mit der Komödie „Oh là là, das Geld ist da“ und bekämpft so erfolgreich den Herbst-Blues.
Lachen gilt als beste Medizin gegen schlechte Laune. Mit ihrer gelungenen Premiere von „Oh là là, das Geld ist da“ unter der Regie von Dominik Kobel hat die Freilichtbühne Mannheim am Freitag erfolgreich gegen den Herbst-Blues gekämpft. Vor ausverkauften Rängen im Zimmertheater hat das zehnköpfige Ensemble das Werk mit viel Esprit und Leidenschaft auf die Bühne gebracht. Das Stück mit dem Originaltitel „Und ewig rauschen die Gelder“ von Michael Cooney zeigt, wie schnell Lügen und Betrug aus dem Ruder laufen können.
Klaus Schmitz (Thorsten Köster) ist seit zwei Jahren arbeitslos. Allerdings traut er sich nicht, seiner Frau Petra (Susanne Bechtold) reinen Wein einzuschenken. Stattdessen versucht er, das gemeinsame Leben mit Geldern des Sozialstaats zu finanzieren. Zunächst kassiert Klaus Schecks, die an seinen ehemaligen Untermieter Peter Müller adressiert sind. Schließlich erfindet er immer mehr fiktive Bewohner, um zusätzliche Unterstützung wie Krankgeld und sogar Schlecht-Wetter-Geld zu erhalten. Sein Onkel Heinz (Manfred Dengel) besorgt ihm dafür regelmäßig Atteste aus dem Krankenhaus. Und auch sein aktueller Untermieter Dieter Brenner (Peter Ziesche) wird unfreiwillig zum Helfer, da Klaus ihn als arbeitslosen Holzfäller anmeldet.
Verwirrung und Geheimnisse in der Wotanstraße
Ausgerechnet Klaus‘ Versuch, den Betrug zu beenden, sorgt für Aufruhr in der Wotanstraße. Als er seine Figuren das Zeitliche segnen lassen will, indem er Brenner beim Sozialamt als verstorben meldet, löst das eine Lawine an Hausbesuchen aus. Plötzlich will der Sozialamt-Sachbearbeiter Reinhold Winkelmann (Guntram Raquet) von der Abteilung Außenprüfung Unterschriften einholen, um seine Vorgesetzte Fräulein Schneider (Jelena Bruderuhs) zu beschwichtigen. Lena Fröhlich (Svenja Lupp) von der Familienhilfe möchte der Familie Brenner nicht nur Beileid wünschen, sondern sie auch tatkräftig in der schwierigen Situation unterstützen.
Ein turbulentes Verwechslungsspiel voller Überraschungen
Klaus muss erfinderisch werden. „Sie haben mir immer wieder Geld angeboten. Ich hab’s nicht mal verlangt“, verteidigt sich Klaus, der Dieter erklärt, er habe einen Schneeballeffekt verursacht. „Du hast verdammt eine Lawine losgetreten, du gehst ins Gefängnis“, warnt Dieter in breitem Kurpfälzer Dialekt. Brenner muss kurzerhand in die Rolle seines erfundenen Sohnes schlüpfen, um Winkelmann seinen eigenen Tod vorzugaukeln. Petra hat ebenfalls Geheimnisse. Sie möchte sich Eheberater Dr. Benno Seelenruh (Michael Göricke), der sich als „Partnerschafts-Moderator“ bezeichnet, anvertrauen. Als dann noch der Bestatter Herr Grabowski (Markus Muth), der die vermeintliche Leiche abholen will und Dieters Verlobte Jenny (Carolin) auf der Bildfläche erscheinen, ist das Chaos perfekt. Gibt es einen legalen Ausweg?
Der mitreißende und intelligente Plot mit zahlreichen skurrilen Irrungen und Wirrungen besticht durch Situationskomik, Spannung und immer wieder neuen, scheinbar ausweglosen Momenten. Blitzschnell und mit Ideenreichtum retten sich die Protagonisten aus einer Falle, um in eine andere zu tappen, bis das Lügenkonstrukt kurz vor dem Einsturz scheint. Die ehrenamtlichen Schauspielerinnen und Schauspielern überzeugen komödiantischem Talent und einem ausgeklügelten Bühnenbild. Dafür gibt es wohlverdienten Applaus.
Mannheimer Morgen, 12.10.2025, Tanja Capuana
Spaßiger Spuk
„HuiBuh–Das Schlossgespenst“ auf der Freilichtbühne Mannheim
Ich glaub’, ich seh’ Gespenster: Die Freilichtbühne Mannheim ist in eine gruselige Saisongestartet. Neben dem Musical „Dracula–das Grusical“ steht auch ein schaurig lustiges Familienstück auf dem Spielplan: „Hui Buh – Das Schlossgespenst“.
Direkt am Käfertaler Wald im Nordosten Mannheims gelegen, bietet die Freilichtbühne die perfekte Kulisse für die Geschichte, die vor mehr als 500 Jahren begonnen hat: an einem Freitag, den 13., des Jahres 1399. An diesem Tag eskaliert ein Kartenspiel zwischen Ritter Balduin (Thorsten Köster) und Ritter Adolar (Dominik Kobel) auf Schloss Burgeck. Balduin spielt falsch, gewinnt und will sich schon aus dem Staub machen–da fallen ihm die gezinkten Karten aus der Tasche, und es kommt zu einem Kampf mit seinem Gegenspieler. „Verflucht soll ich sein, wenn ich betrogen habe!“, ruft er, und dass der Blitz ihn auf der Stelle treffen solle was tatsächlich geschieht, begleitet von einem lauten Knall. Als einziges behördlich zugelassenes Schlossgespenstmit offizieller Spuklizenz lebt Ritter Balduin fortan als Hui Buh auf Schloss Burgeck. Und dieses Schloss hat das (in sämtlichen Gewerken) ehrenamtlich arbeitende Team der Freilichtbühne mit sehr viel Liebe zum Detail gebaut. Es gibt sehr viele Schauplätze, ständig kommt oder geht jemand durch eine der vielen Türen, und Hui Buh selbst schafft es sogar, durch Wände zu gehen–die Inszenierung hat das wunderbar gelöst. Die Produktion der Freilichtbühne Mannheim orientiert sich eng am auf der Hörspielserie von Eberhard Alexander-Burgh basierenden Film von 2006 mit Michael „Bully“ Herbig und Christoph Maria Herbst in den Hauptrollen. Für die Rechte habe mit Sony Entertainment verhandelt werden müssen, erzählt Geschäftsleiter Thomas Nauwartat-Schultze, der Regisseur und Musikalische Leiter des Musicals „Dracula“, das am Vorabend seine Premiere erlebt hat. Die Rolle von König Julius der 111., die Herbst im Film spielt, hat auf der Freilichtbühne Peter Ziesche übernommen. Mit viel Gepäck taucht er eines Tages auf Schloss Burgeck auf und ist gekommen, um zu bleiben. Denn der königliche Erstwohnsitz ist abgebrannt. Der mehrfach treffend als „Spinatwachtel“ bezeichneten und von Sabine Valentin wunderbar schrullig gespielten Leonora Gräfin zu Etepetete will der König einen Heiratsantrag machen. Beides passt Hui Buh nicht–und so versuchter, König Julius wieder loszuwerden. Der rächt sich, indem er, wieder von einem schönen pyrotechnischen Effekt begleitet, Hui Buhs Spuklizenz verbrennt. Weil er andererseits großes Interesse am Inhalt der geheimen Schatzkammer hat, sind beide aufeinander angewiesen… Diese Geschichte erzählt das knapp 30 Personen große Laienensemble, das mehrere Generationen vereint, mitreißend, kurzweilig und sehr, sehr lustig. Es gibt Witze, die sich aus der Vorlage ergeben, und solche, die aus dem Moment entstehen. „Darf ich darauf hinweisen, dass ich noch nie ein begabter Schauspieler war?“, fragt Markus Muth in der Rolle des Kastellan, die er tatsächlich ganz wunderbar ausfüllt, aber erst kurzfristig als krankheitsbedingter Ersatzmann übernommen hat. Dass er keine Schwierigkeiten mit dem Text hatte es liegt daran, dass er der Regisseur des Stückes ist und seit Monaten mit dem Ensemble gearbeitet hat. Knapp 800 Besucher der Premiere erleben also knapp eineinhalb Stunden Feuer und Rauch, Witz und leichten Grusel–und auch traurige Momente, in denen der kleine Tommy (Johannes Adelmann) von seinem verstorbenen Vater erzählt. Seine Mutter Konstanzia (Silvia Schönfelder) hat als Zofe alle Hände voll zu tun, so dass er meistens mit Marie (Charlotte Scherner) zusammen ist, der zu Besuch auf dem Schloss weilenden Nichte des Kastellans. Ihre Rolle gibt es in der filmischen Vorlage nicht–und überhaupt ist die Mannheimer Version von „Hui Buh“ alles andere als eine Kopie der abenteuerlichen Komödie, sondern durchaus noch witziger und–aber das liegt im Wesen des Theaters–viel näher dran an seinem Publikum.
Die Rheinpfalz, 10.06.2025, Nicole Sperk
Start der Spielzeit auf der Mannheimer Freilichtbühne: „Grusical“ zum Auftakt
Spielzeiteröffnung auf der Mannheimer Freilichtbühne: Mit „Dracula“, nach dem bekannten Roman von Bram Stoker, stand ein „Grusical“ auf dem Programm.
Mannheim. Wo lässt sich eine mystische Atmosphäre besser erschaffen als auf der Freilichtbühne Mannheim? Bereits vor über 100 Jahren wurde der Verein gegründet und bietet heutzutage etwa 400 Mitgliedern die Möglichkeit, die verschiedensten Stücke zu realisieren. Dominik Kobel, Erster Vorsitzender des Vereins, und Sabine Valentin, Künstlerische Leitung, betonen die große Unterstützung von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern.
Inmitten von Grün wurden die Zuschauer am vergangenen Samstag zur Premiere des Stückes „Dracula — das Grusical“ von Claus Martin, nach dem Roman von Bram Stoker, in das Reich des Grafen entführt. Trotz der ungewissen Wetterlage war das Theater gefüllt und ließ Menschen von Kenia und Kanada anreisen.
Unter der Leitung von Thomas Nauwartat-Schultze gelang es den beinahe 60 Ensemble-Mitgliedern, das Publikum mitzureißen und zwischen Komik und Mystik wandeln zu lassen. Vielversprechend empfing die Menschen bereits das aufwendige und überzeugende Bühnenbild, das mit Requisiten und technischen Hilfsmitteln zu unterschiedlichen Schauplätzen umfunktioniert wurde. Dass hinter dem Ensemble ein großartiges Team an Bühnenhelferinnen und -helfern steckt, wurde ebenfalls durch die zahlreichen, beeindruckenden Kostüme deutlich, die zur altertümlichen Atmosphäre beitrugen.
So wird im Bühnenstück von Claus Martin, der die Premiere mit seinem Besuch ehrte, den mysteriösen Umständen, die in Dr. Stewarts (Florian Wilhelm) Irrenanstalt aufgetreten sind, auf die Spur gegangen. Als „Showmaster“ liefert er dem Publikum eine mitreißende Performance. Die plötzlichen Wesensveränderungen einer von Pia Valentin sehr überzeugend gespielten Schwesternschülerin führen als Spuren zu dem ominösen Adligen, der sich als Graf Dracula entpuppt und seine Pläne mit allen Mitteln verwirklichen möchte. Andreas Schilder gelingt es auf beeindruckende Weise, die gefürchtete und zugleich anziehende Präsenz Draculas zu verkörpern.
Parallel träumt das Liebespaar Mina Murray und Jonathan Harker, gespielt von Lisa Bechtold und Philipp Valentin, von ihrer gemeinsamen Zukunft, während die Maklerin Mrs. Meredith Hawkins (Isabelle Köster) durch das Veranstalten eines Maskenballs die Gunst des Grafen erwerben möchte. Untermalt von ausgezeichneten musikalischen Einlagen sowie tänzerischen Performances, wird die Handlung mit dem einstweiligen Durchbrechen der vierten Wand zu einem Erlebnis. Unheimliche Szenen werden mit humoristischen Liedern wie „Adel ist geil“ aufgelockert. Auch die jüngsten Schauspieler tragen zur überzeugenden Wirkung des Stückes bei. An dieser Stelle hervorzuheben gilt es die besondere Leistung von Philipp Valentin, der drei Wochen vor der Premiere für die Rolle des Jonathan Harker einsprang und diese grandios füllte.
Ob es dem Vampirforscher Van Helsig, gespielt von Marco Hullmann, gelingt, dem Schrecken ein Ende zu bereiten, wird bis zum 1. August auf der Freilichtbühne gezeigt. Die Veranstaltung ist ein Paradebeispiel dafür, was passiert, wenn künstlerische Seelen, kreative Köpfe und eifrige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter etwas bewegen wollen. Neben diesem Bühnenstück präsentiert die Freilichtbühne auch andere Werke.
Mannheimer Morgen, 10.06.2025, Annika Reinhardt
Dracula – ein schaurig-schönes Sommervergnügen
Mit dem schaurig-schönen Grusical „Dracula“ startete die Freilichtbühne Gartenstadt Anfang Juni schwungvoll in ihre Sommerspielzeit 2025. Ja, es wird auch gruselig und düster. Aber es darf auch herzlich gelacht werden. Und ja, Bram Stokers Idee des untoten Vampirs Grafen Dracula stand Pate bei diesem schaurig-schönen Horror-Spaß, das Anfang Juni auf der Freilichtbühne Mannheim seine Premiere feierte und der Vorstand des Freilichttheaters, Dominic Kobel, Thomas Nauwartat Schultze und Sabine Valentin damit die Sommerspielzeit 2025 eröffneten. Unter der Regie und musikalischen Leitung von Thomas Nauwartat-Schulze bot das Ensemble ein kurzweiliges, humorvoll-düsteres Spektakel, das das Publikum auf den vollbesetzten Rängen bestens unterhielt. Eingeführt wird die Handlung durch vier Kinder (Henry Eisen, Matilda und Jonathan Schilder, Bastian Valentin), die auf dem Flohmarkt ein altes Buch finden – ein gelungener Kunstgriff, der Jung und Alt abholt und direkt in das Geschehen katapultiert. Im beschaulichen Huntington wird der düstere Dracula von der geschäftstüchtigen Mrs. Hawkins (Isabelle Köster) als reicher Investor begrüßt – sie träumt dabei nicht nur vom großen Geschäft, sondern auch von einer adligen Verbindung. Unterstützt wird sie vom loyalen, bald jedoch seltsam verwandelten Mr. Renfield (Wolf-Lennart Arras), der in die Obhut von Dr. Sewart (Florian Wilhelm) und Oberschwester Janet (Cornelia Bundschuh) gegeben wird. Für Lachsalven sorgt hier der Song „Hurra, wir sind bescheuert“, gesungen von den charismatisch-überdrehten Insassen der Nervenheilanstalt. Währenddessen geraten Miss Lucy (Pia Valentin), brave Sittlichkeitsvereins-Aktivistin, und ihre Freundin Miss Mina (Lisa Bechtold) ins Visier des Vampirs. Minas Verlobter Jonathan Harker (Phillip Valentin, kurzfristig für Sebastian Kaufmann eingesprungen) setzt alles daran, sie zu retten. Mrs. Hawkings will sich weiterhin unbedingt diesen geheimnisumwitterten Grafen angeln und lädt zu einem Maskenball ein. Das Unheil nimmt seinen Lauf, als Graf Dracula sich in ein Bild der bezaubernden Mina verliebt und sich in den Kopf setzt, sie auf diesem Ball zu verführen und zu einem der seinen zu machen. Draculas Gespielinnen indes haben ihren eigenen Kopf und finden ihre eigenen Opfer wie beispielsweise die beiden etwas trotteligen Einbrecher Backe und Tommy (Christian Lange und Michael Knapp), die sich auf Beutefang in die alte Ruine verirrt haben oder auch Mrs. Ascot, bislang Pflegedienstleiterin in Dr. Sewarts Anstalt, ganz zum Missfallen ihres Herrn und Meisters. Auf dem Maskenball schließlich, wo sich alle Protagonisten eingefunden haben, wird Mina von den Avancen des mysteriösen Grafen in einen verhängnisvollen Bann gezogen.
Über 60 Akteure füllten zeitwillig gleichzeitig die Bühne, ein wahrer Augen- und Ohrenschmaus für alle Gäste, eine wahre Meisterleistung des Regisseurs und musikalischen Leiters, Thomas Nauwartat-Schulze, der am Ende des Stückes sein großes Dankeschön für die gelungene Aufführung erst einmal an „seine“ Akteure richtete. Chapeau! Nicht zu unterschätzen sind die Leistungen hinter den Kulissen, nicht zuletzt die Künstler/innen in der Maske, die insbesondere die Vampire so schaurig-schön wirken lassen. Aber auch die neuen Beleuchtungstürme sorgten für eine perfekt ausgeleuchtete stimmige Bühnenlandschaft in all ihren Facetten, deren Kosten in Höhe von 75.000 Euro dank der großen Spendenbereitschaft von Sponsoren und FLB-Freunde erst vor kurzem installiert werden konnten. Die Perfektion der Tontechnik erlaubte ein wundervolles Klangerlebnis bis in die hintersten Reihen. Großen Applaus erhielt auch Claus Martin, der Autor des Stückes, der gemeinsam mit Vertretern des Cantus-Verlags die Premiere verfolgte. Am Ende des Stücks bedankte sich Nauwartat-Schulze bei seinem gesamten Team – ein verdienter Moment nach 2,5 Stunden Musical-Vergnügen voller Gesang, Tanz, Drama und zum Schluß schließen die Kinder das magische Buch – doch bleibt die Frage: Endet eine Geschichte wirklich mit ihrem letzten Satz? Oder streifen auch heute noch herzlose Blutsauger unerkannt durch unsere Welt?
wochenblatt-reporter.de, 09.06.2025, Beate Tilg
„Hui Buh – das Schlossgespenst“ begeistert auf der Mannheimer Freilichtbühne
Saisonstart auf der Mannheimer Freilichtbühne: Die Premiere des Familienstücks „Hui Buh“ war ausverkauft und wurde viel beklatscht.
Gartenstadt. Auf der ausverkauften Freilichtbühne begeisterte das Familienstück „Hui Buh – das Schlossgespenst“ kleine und auch große Zuschauer restlos. Der Applaus am Ende wollte kaum enden, als sich alle Darsteller, und das waren über 30 Menschen, auf der Bühne versammelten und sich beim Publikum für die Begeisterung bedankten.
Aber nicht nur am Ende, schon während der Vorstellung gab es immer wieder Ovationen. Auf jeden Fall gab es kaum jemanden, der nicht zufrieden war, mit dem, was die Laienspielgruppe aufgeboten hatte. Dabei schlüpften einige Darsteller während des Stückes in bis zu fünf verschiedene Rollen, was vor allem von den vielen unsichtbaren Helfern hinter der Bühne einiges abverlangte. „Vor allem die Kostümschneider hatten viel Arbeit“, lobte denn auch der musikalische Leiter des Theaters, Thomas Nauwartat-Schulze.
Viel wurde auch im vergangenen Jahr neu gestaltet, wie etwa die Lichttechnik. Über 50 000 Euro waren allein in eine neue professionelle Ausleuchtung der Bühne investiert worden. Aber das mittlerweile in die Jahre gekommene Theater erfordert weitere Investitionen. So entspreche das Regiehaus nicht mehr heutigen Anforderungen, sagte Nauwartat-Schulze. Das müsse im nächsten Jahr renoviert werden. „Wenn jeder am Ende der Vorstellung 50 Cent in den Topf wirft, können wir auch das finanzieren“, so Nauwartat-Schulze.
In der grünen Idylle in der Gartenstadt kamen an diesem späten Nachmittag auch zum Teil überraschende Pyrotechnik zum Einsatz – sehr zur Freude der jungen Besucher. Und als das Stück zu Ende war, gingen nur die Wenigsten gleich nach Hause. Viele wollten noch ein Autogramm der Schauspieler mitnehmen, die sich rund um das Kassenhäuschen allen Fragen stellten. „Jetzt fällt mir ein großer Stein vom Herzen, weil ich weiß, dass ich mich jetzt abschminken kann“, sagte da ein Urgestein der Freilichtbühne – Christa Krieger. Sie spielte mit ihren 80 Jahren wie eh und je in verschiedenen Rollen gekonnt mit. Thorsten Köster als „Hui Buh“ bedankte sich bei den eigenen Familien. Seit Oktober hatten sie angefangen zu proben. Da habe das Familienleben unter dem großen Zeitaufwand doch manchmal gelitten.
Ein kleines Kind konnte den Beginn des Theaterstücks, der sich durch einen Gong ankündigte, kaum erwarten „Wann kommen die denn“ wollte die Kleine von ihrer Mutter wissen. Ein beruhigenden „gleich“ half da nicht wirklich. Endlich startete das Stück. Nach nur wenigen Minuten erschütterte ein durchdringender Blitz und ein lauter Knall die Bühne. Hui Buh war getroffen worden. Und wurde zum Gespenst. „Das hat mich ganz schön erschreckt“, meinte die achtjährige Greta. Weiter erzählte sie. „Ich finde das sehr schön. Aber ich habe das schon einmal im Fernsehen gesehen“, wusste sie. „Ich finde Theater einfach sehr schön“ stellte sie fest.
Auch Magdalena (5) und ihr Bruder Jonathan (8) fanden, dass das Theaterstück „sehr schön, manchmal sogar gruselig“ war. Ritter Balduin befindet sich im Jahr 1399 auf Schloss Burgeck und versucht, dort, sein Vermögen durch Glücksspiel zu vermehren. Als sein Gegenspieler Adolar bemerkt, dass Balduin falsch spielt, kommt es zu einem Kampf zwischen den Rittern, in dessen Verlauf Balduin von Ritter Adolar derart in die Mangel genommen wird, dass er laut ruft: „Verflucht soll ich sein, wenn ich betrogen habe. Der Blitz soll mich auf der Stelle treffen.“ Diese Worte erfüllen sich sofort: Balduin wird plötzlich von einem Blitz getroffen – er wird zum Gespenst Hui Buh (Thorsten Köster). Vor Schreck taumelt Ritter Adolar (Dominik Kobel) zurück und fällt durchs Fenster in den Burggraben.
500 Jahre später ist Hui Buh das einzige behördlich zugelassene Gespenst auf Schloss Burgeck. Zusammen mit dem Kastellan (die Rolle hatte Regisseur Markus Muth übernommen) führt er ein beschauliches Leben, bis eines Tages König Julius der 111. (Peter Ziesche) das Schloss bezieht, weil sein Heimatschloss abgebrannt ist. Er möchte auf Burgeck die Verlobung mit Leonora Gräfin zu Etepetete (Sabine Valentin) feiern. Hui Buh versucht, Julius aus dem Schloss zu ekeln, bezahlt aber damit, dass Julius seine Geisterlizenz verbrennt, ohne die er kein „behördlich zugelassenes Gespenst“ mehr ist.
Dadurch werden ihm seine Geisterfähigkeiten geraubt. Um eine neue Lizenz zu erwerben, muss Hui Buh erneut die Geisterprüfung ablegen. Er kann jedoch die Prüfungsfragen nicht beantworten. Aber Julius kennt die Antworten. Daher beschließen sie, zusammen in die Geisterstadt zu gehen und die Prüfung abzulegen. Sie werden jedoch enttarnt und müssen fliehen. Daalor, der Vertreter der Geisterbehörde, ist in Wahrheit Adolar, der mit Gräfin Leonora gemeinsame Sache macht.
Beide wollen das Schloss in ihren Besitz bringen, das ihnen Balduin durch sein Falschspiel genommen hat. Inzwischen hat die Geisterbehörde von der Verschwörung zwischen Adolar und Gräfin Leonora erfahren, sodass die Wachen um Major Servatius Sebaldus (Michael Goericke) Adolar und Leonora, die inzwischen ein Geist ist, im Schloss Burgeck festnehmen. Durch den Major erhält Hui Buh seine Geisterlizenz zurück. Schließlich heiraten König Julius und die Zofe Konstanzia (Silvia Schönfelder). Es kommt, wie es kommen muss: Am Ende gibt es für alle das viel bejubelte Happy End.
Mannheimer Morgen, 10.06.2025, Bernhard Haas
Welche Premieren auf der Freilichtbühne in Mannheim-Gartenstadt auf dem Programm stehen
Sie ist eine Institution im Mannheimer Stadtteil Gartenstadt und hat viele Fans im weiten Umkreis. Beim Tag der offenen Tür präsentierte die Freilichtbühne, was sie im Sommer alles vorhat.
Gartenstadt. Die Saison startet an der Kirchwaldstraße gleich mit zwei Premieren: Im Hinblick auf die bevorstehenden Sommermonate zeigt sich Erster Vorsitzender Dominik Kobel von der Freilichtbühne, der seit dreieinhalb Jahren im Amt ist, deshalb voller Vorfreude und Tatendrang. „Unser Sommer wird schaurig!“, betonte Kobel in Bezug auf die beiden gruselig-lustigen Theaterstücke „Dracula – Das Grusical“ und „Hui Buh, das Schlossgespenst“, die auf der Freilichtbühne am Pfingstwochenende, Samstag, 7. Juni, und Sonntag, 8. Juni, Premiere feiern werden.
Zuvor fand nun der Tag der offenen Tür statt, an dem das Ensemble die Pforten aufsperrte, um an der frischen Luft einige szenische Ausschnitte aus „Dracula“ und „Hui Buh“ aufzuführen. Auf der Bühne trommelten außerdem die Karlstern-Hexen, der Chor Art-im-Takt erhob die Stimmen und das Gesangsduo Jeannette Friedrich und Bernd Nauwartat interpretierte Lieder von Udo Jürgens und Caterina Valente.
Wenn man bedenkt, dass es sich beim Freilichtbühnen-Verein in der Gartenstadt, der sein kostenintensives und zeitaufwendiges Handeln als gemeinnütziger Verein, der gegenwärtig über 400 Mitglieder zählt, aus dem Ehrenamt heraus abruft, muss man der engagierten Truppe um Vorstand Dominik Kobel lobende Anerkennung zum Ausdruck bringen.
In der Kirchwaldstraße kümmert sich der Verein um ein idyllisch grünes Gelände, auf dem die beiden Spielstätten Freilichtbühne und Zimmertheater nebeneinanderstehen. „Das ist unser Ausgleich zum Beruf. In der Woche finden zwei bis drei Proben statt“, versicherte Erster Vorsitzender Dominik Kobel, der 43 Jahre alt ist und beruflich als Betriebsleiter im Secondhand-Kaufhaus Fairkauf auf dem Waldhof arbeitet.
Zahlreiche Besucher beim Tag der offenen Tür trotz wolkenverhangenen Himmels
Obwohl der Tag der offenen Tür auf dem weitläufigen Gelände der Freilichtbühne unter einem wolkenverhangenen Himmel stattfand, aus dem hin und wieder leichter Sprühregen herabfiel, fanden sich zahlreiche Besucher ein, um ein buntes Unterhaltungsprogramm zu genießen und hinter die Kulissen der ambitionierten Kulturstätte zu schauen.
Im Eingangsbereich durften sich alle Kinder auf einer Spielstraße, die sich gestalterisch an die bei Heranwachsenden beliebte Fantasy-Filmreihe „Monster High“ anlehnte und über die sich regelmäßig weißer Shownebel wie aus einem Gruselfilm legte, bei Dosenwerfen, Sackhüpfen und Bowling austoben.
„Es darf nicht zu gruselig sein, wegen der Kinder“, erklärten die beiden Standbetreuerinnen Alena Blum und Linette Kara, zwei 14-jährige Mitglieder der Jugendgruppe der Freilichtbühne. Denn Alena und Linette, die als Nachwuchskräfte für das Theater brennen, sind von Spielfreude erfüllt. „Wir spielen im Winter in dem Stück ‚Die Schneekönigin‘ als Räuber in Nebenrollen mit“, erläuterte Alena Blum. Das Märchen „Die Schneekönigin“ von Hans-Christian Andersen wird am Sonntag, 30. November, im Zimmertheater seine Uraufführung erleben.
Am Tag der offenen Tür stimmten Sängerin Jeannette Friedrich und Sänger Bernd Nauwartat auf der imposanten Open-Air-Bühne viele Klassiker des Schlagers an, zum Beispiel „Spiel noch einmal für mich, Habanero“ von Caterina Valente, „Die kleine Kneipe“ von Peter Alexander und „Ein Lied kann eine Brücke sein“ von Joy Fleming.
Im Requisitenlager stapeln sich die unterschiedlichsten Bühnen-Gegenstände
Im Requisitenlager unter Leitung von Wera Wörner und Martina Stahl stapeln sich die unterschiedlichsten und flexibel einsetzbaren Gegenstände. Eben alle möglichen Sachen, die zur Ausstattung eines Theaterstücks dienen können, um die aufgeführte Handlung wirklichkeitsnah zum Leben zu erwecken. „Es ist ein Sammeln. Es wird sortiert und verwahrt. Dafür gehen wir auf Flohmärkte. Manchmal bekommen wir Sachen gespendet“, erklärte Requisiteurin Wera Wörner.
Den benachbarten Kostümfundus verwalten Monika Kaufmann und Bärbel Steegmüller. Mit handwerklichem Geschick gesegnete Helfer, die liebevoll „Holzwürmer“ genannt werden, bauen in der Werkstatt mit Säge und Hammer die wuchtigen Kulissen zusammen. Wie entsteht das Programm für eine Spielzeit von Freilichtbühne und Zimmertheater? „Wir besprechen das mit den Spielleitern und Regisseuren“, gewährte Erster Vorsitzender Dominik Kobel einen Einblick.
Die Ehrenvorsitzende der Freilichtbühne, Christa Krieger, feierte kürzlich ihren 80. Geburtstag
Jedes Jahr reicht eine Saison auf der Freilichtbühne von Pfingsten bis zum ersten August-Wochenende. In der für Familien geeigneten Reihe „Träumen unter Bäumen“ erzählt Ehrenvorsitzende Christa Krieger an drei Donnerstagen im August nachmittags bei freiem Eintritt zauberhafte Märchen auf dem Freilichtbühnengelände. Vor wenigen Wochen feierte die mehrfach ausgezeichnete Ehrenvorsitzende Christa Krieger, die treusorgende Seele der Freilichtbühne, ihren runden 80. Geburtstag.
„Im Spätjahr im Oktober geht es dann wieder ins Zimmertheater“, sagte Vorsitzender Dominik Kobel, in dessen Verein sich fast 30 Theaterregisseure befinden. Hinter dem 1913 gegründeten Freilichtbühnen-Verein steht seit 1991 ein Förderverein, der mit Sonderveranstaltungen nützliche Gelder für die Kulturstätte einnimmt. An der Kasse kann man eine farbenfrohe Chronik mit dem Titel „100 Jahre Freilichtbühne/Dramatischer Club“ für fünf Euro erwerben.
Mannheimer Morgen,02.06.2025, Christian Hoffmann
Tote Frauen trinken nicht
Premiere im Zimmertheater der Freilichtbühne
Alles könnte so schön sein – Ein neuer Job und eine eigene möblierte Bude in Mannheim-Gartenstadt. Sabine Pahlke (Agnetha Rauch) ist überglücklich. Würde da nicht eine andere junge Frau auftauchen, die sich als Pia Freitag (Mia Lelia Franz) vorstellt und felsenfest behauptet, das sei ihre Wohnung und ihre Möbel. Und wäre da nicht Sabines herrische Mutter Ingrid Pahlke (Henrike Haase), die sich, immer im Schlepptau Tante Heide (Veronika Ludwig), penetrant in Sabines neues Leben einmischt, Sabine herumkommandiert und diese permanent schlechtmacht. Und dann taucht da noch die anfangs reservierte, aber überaus nette Vermieterin Heike Sahlfeld (Ute Zuber) auf, die sich auch keinen Reim auf diese unheimlichen Vorgänge in ihrer Wohnung machen kann. Irritiert stellt Sabine fest, dass nur sie selbst Pia hören und sehen kann. Und Pia muss feststellen, dass sie eigentlich ein „Geist“ ist und gar nicht mehr hier sein dürfte. Und was für sie sogar noch schlimmer scheint, dass sie in diesem Wesenszustand leider keinen Alkohol mehr trinken kann. Trotz aller Verunsicherung freunden sich die beiden jungen Frauen an und Sabine lernt, mit Hilfe der kecken Pia, ihrer Mutter, die ihre Tochter wegen deren mutmaßlichen „Selbstgespräche“ am liebsten für verrückt erklären lassen würde, endlich die Stirn zu bieten und sich gegen deren verbalen Angriffe zur Wehr zu setzen. Ingrid, wie immer im Schlepptau Tante Heide, die keinem Likörchen oder Schnäpschen abgeneigt ist, engagiert kurzerhand zwei Geisterjägerinnen, Melanie und Sonja Geistreich (köstlich Claudia Bendig und Andrea Resch), die nach „Ghostbuster“-Manier dem Spuk ein Ende bereiten wollen, was natürlich misslingt. Erst als die Frauen entdecken, dass die rassige exotische Putzfrau Dunja Paslowski (Jelena Bruderuhs) den „Geist“ zumindest hören kann und sich auch nach eigenem Bekunden in der Durchführung von Geisterbeschwörung und Seancen versteht, eröffnet sich für Pia die Chance, ihr unbefriedigendes Leben in dieser Zwischenwelt zu beenden. Aber ob das wirklich gutgeht? Es sei an dieser Stelle nur noch so viel hinzugefügt, dass sich am Ende der Geschichte nicht nur Sabine „emanzipiert“. Eine wirklich liebevolle und amüsante Komödie des Zimmertheaters der Freilichtbühne Mannheim unter der Regie von Thomas Nauwartat-Schulze in zwei Akten, in guter Mannemarischer Manier erzählerisch umrahmt von Dunjas Putzfraukollegin Biggi Pomke (Angelika Lederer). Und dieses Mal, wie der Aufzählung der Darstellerinnen zu entnehmen ist, ist es ein reines Frauenstück, wäre da nicht … aber nein, es wird nichts verraten! Am Ende der überaus gelungenen Premiere überreichte Sabine Valentin jedem der Damen ein Blumensträußchen und auch Thomas Nauwartat-Schulze erhielt als verdientes Dankeschön einen sommerlichen Blumenstrauß. Leider sind alle Vorstellungen für das Abendstück des Zimmertheaters für das Jahr 2024 bereits ausgebucht. Aber am 1.Dezember (Termin gut vormerken!!) wird die Kartenreservierung für das Jahr 2025 für alle vorgesehenen Aufführungen des Zimmertheaters und der Freilichtbühne freigeschaltet und dann können Sie auch noch einmal Pia und Sabine bei ihrer ungewöhnlichen Freundschaft begleiten.
Wochenblatt, 16.10.2024, Beate Tilg
Freilichtbühne Mannheim: Ort voll lebendiger Geschichte und zauberhafter Atmosphäre
In der grünen Idylle von Mannheim-Gartenstadt entfaltet die Freilichtbühne ihren Zauber. Mit Geschichte, Leidenschaft, einem abwechslungsreichen Programm und einem engagierten, ehrenamtlichen Team begeistert sie ihr Publikum
Eingebettet in die grüne Idylle von Mannheim-Gartenstadt liegt die Freilichtbühne, ein Ort voller lebendiger Geschichte und zauberhafter Atmosphäre. Verwunschene Wege schlängeln sich durch eine üppige, schattige Landschaft, in der kunstvoll platzierte Skulpturen an vergangene Zeiten erinnern. Zwischen den Bäumen und Skulpturen streift eine Katze umher, die seit der Aufführung des „Gestiefelten Katers“ dort heimisch ist und an die vielen Abenteuer erinnert, die auf dieser Bühne zum Leben erweckt wurden. Die Freilichtbühne mit ihren rund 800 Sitzplätzen und das gemütliche Zimmertheater mit 83 Plätzen bieten ein abwechslungsreiches Programm für Zuschauer jeden Alters. Von Abendstücken über Familienvorstellungen bis hin zu zahlreichen Sonderveranstaltungen ist für jeden Geschmack etwas dabei.
Theaterzauber zwischen Tradition und Leidenschaft
Thomas Nauwartat-Schultze ist das Herz und die Seele der Freilichtbühne Mannheim. Ursprünglich als Spieler gestartet, hat er sich zum Regisseur entwickelt und prägt das Theater heute als Geschäftsleiter, Vorstandsmitglied und Darsteller. Seine Philosophie lässt sich in zwei Worten zusammenfassen: „Einfach machen.“ Mit dieser Einstellung treibt er das Theater seit Jahren erfolgreich voran. Auf die Frage, warum er das alles macht, antwortet er schlicht: „Weil es das wert ist. Es ist auf so vielen Ebenen einfach gut.“ Wenn Mannheimer „Theater“ hören, denken sie automatisch an das Nationaltheater, obwohl die 1913 gegründete Freilichtbühne als zweitältestes Theater der Stadt eine ebenso lange und bedeutende Geschichte hat.
Ursprünglich als Schießstand im Wald genutzt, wurde sie zu einem kulturellen Treffpunkt. In den 70er und 80er Jahren geriet die Bühne in eine Krise, da Kino und Fernsehen die Zuschauer abzogen. Heute erstrahlt sie wieder als kultureller Leuchtturm, dank aktiver Social-Media-Präsenz und treuer Fans. Auch die Technik hat sich im Laufe der Zeit stark weiterentwickelt und umfasst nun Special Effects, Nebelmaschinen und Bühnenversenkungen. Das zahlt sich aus: Die Konzerte und Aufführungen sind fast immer ausgebucht, und man merkt kaum, dass keine Profis am Werk sind. Das abwechslungsreiche Programm wird von einer engagierten Gemeinschaft ehrenamtlicher Helfer realisiert.
Jedes Projekt ist besonders, selbst unter herausfordernden Bedingungen wie Regen oder extremer Hitze. Die kreative Regiearbeit, detailreiche Bühnenbauten, aufwendige Kostüme, Maske, Requisiten, Licht, Ton, Kartenverkauf und Verwaltung – alles wird mit Leidenschaft und ohne professionelle Ausbildung gemeistert. Hier zählen das Herzblut und die Freude der knapp 400 Mitglieder am gemeinsamen Schaffen. Jeder kann mitmachen, unabhängig vom Alter und ohne Vorkenntnisse. Bei Textschwierigkeiten gibt es kürzere Rollen oder Statistenaufgaben, die durch häufige Kostümwechsel oft anstrengender sind als die Hauptrollen, wie Nauwartat-Schultze lachend erzählt.
Die Zuschauer der Freilichtbühne kommen aus der gesamten Region Mannheim, Heidelberg und darüber hinaus. Das Theater ist ein Ort für alle und zieht Menschen aus verschiedenen Lebensbereichen an. Viele sind Stammgäste, die auch nach unbekannteren Stücken sofort wieder Tickets buchen. Vor jeder Aufführung wird gefragt, wer zum ersten Mal dabei ist, und die Zahlen variieren je nach Programm. Das Team muss sich oft unvorhersehbarem Wetter stellen, was zu Regenausfällen und Absagen führen kann.
Humorvolle Highlights und große Pläne für die Zukunft der Bühne
Trotzdem bleibt die Stimmung gut, und die meisten Besucher nehmen es mit Humor. Das vielfältige Programm bietet in diesem Jahr Highlights wie „Mord im Orientexpress“ von Agatha Christie, „Schlager lügen nicht“, bei dem auch gesungen und getanzt wird, und „Robin Hood,“ sowie viele weitere spannende Aufführungen. Besonders für Kinder ist das Live-Erlebnis wichtig. Am Kassenhaus fragen manche: „Wann geht der Film los?“ Und sind dann begeistert: „Da spielen ja echte Menschen, toll!“
Die Freilichtbühne hat große Pläne für die Zukunft, denn sie hat einen festen Platz in den Herzen der Menschen und bietet eine „kostenlose Therapie“ für alle, die mitmachen. Auch das Publikum schätzt die Aufführungen sehr. „Die Welt ist gerade nicht so schön. Ablenkung, Zeit zu lachen ohne Probleme – man geht gut nach Hause“, sagt Nauwartat-Schultze. Ist die Kultur am Aussterben? „Man darf nicht still sein, denn das würde Stillstand bedeuten“,fügt er hinzu.
Mannheimer Morgen, 15.08.2024, Karolin Jauernig
Art-im-Takt gibt klangvolles Jubiläumskonzert in der Gartenstadt
Der Bühnenchor der Freilichtbühne feiert seinen 20. Geburtstag mit Klassikern der Filmmusik. Chorleiter Thomas Nauwartat-Schultze kann auf gut 800 Proben zurückblicken und sucht zum Jubiläum weitere Sängerinnen und Sänger
„Wir feiern heute Geburtstag, sind 20 Jahre jung“, sang sich der Bühnenchor der Freilichtbühne Art-im-Takt selbst ein Ständchen und versprach frei nach der Melodie von „Mit 66 Jahren“ es sei „lange noch nicht Schluss“. Das Konzert im Gemeindesaal der Elisabethkirche war ein Heimspiel, überschwänglicher Applaus empfing die Sängerinnen und Sänger schon beim Einmarschieren und riss den ganzen Abend nicht ab.
„Es erfüllt mich mit großem Dank und Stolz“, blickte Leiter Thomas Nauwartat-Schultze zurück. „20 Jahre das waren 782 Dienstagsproben, 34 Probenwochenenden und 134 Einzelstimmproben“, zählte er auf. Der Chor habe bei vielen Produktionen der Freilichtbühne und des Zimmertheaters mitgewirkt, aber auch unabhängig von den Inszenierungen einige Konzerte gegeben. „Ich bin sehr glücklich, dass ihr immer neue Wege mit mir geht“, wandte er sich an die Sängerinnen und Sänger.
Viel Lob und Anerkennung kamen vom Vorstand der Freilichtbühne: „20 Jahre Gesänge und Klänge“, reimte Sabine Valentin in ihren Dankesworten. Zusammengekommen waren die Chormitglieder im Sommer 2004, als Nauwartat-Schultze Gesangstalente für das Musical „Dracula“ suchte. Zur Erinnerung daran ertönte das „Zuglied“. „Dreistimmig war damals eine große Herausforderung für uns“, erzählte der musikalische Leiter und fügte hinzu: „Heute singen wir vier- und fünfstimmig.“ Mit Klassikern der Filmmusik nahm der Chor die Zuschauerinnen und Zuschauer mit in die Welt von Zwergen, Vampiren und Hobbits. Die Streicher und Flöten des Heidelberger Kantatenorchesters verliehen dem Stück „Ewigkeit“ aus „Tanz der Vampire“ eine dramatische Note. Seit 2008 begleiten die Musikerinnen und Musikern den Chor bei allen wichtigen Auftritten.
Mix aus Mozart, Hobbit und König der Löwen dargeboten
Mozart kann auch poppig klingen – mit dem Finale aus dem gleichnamigen Musical ehrte der Chor den österreichischen Komponisten. Bei „Blunt the Knives“ aus der Hobbit-Triologie sah man das Saufgelage der Zwerge förmlich vor sich, eher melancholisch klang dagegen „Misty Mountains“. Die Rhythmustruppe unterlegte „Hörst du wie das Volk erklingt“ aus „Les Misérables“ mit schmissiger Marschmusik. „Der ewige Kreis“ aus dem Disneyfilm „Der König der Löwen“ berührte das Publikum sichtlich.
Trotz der Hitze im Saal klatschte und schnipste es zu „Trashin’ the Camp“ eifrig mit. Bei „Conquest of Paradise“ kam das harmonische Spiel von Pianistin Ryoko Aoyagi besonders gut zur Geltung. Nach den zarten Klängen ging es mit einem Medley lautstark in die Filmwelt des Spions James Bond.
Der Chor lebe nicht nur von Proben und Auftritten, erklärte Nauwartat-Schultze. Bei Grillfesten und Weihnachtsfeiern werde Geselligkeit großgeschrieben. Was könnte zum Jubiläum also besser passen als „Ein Freund, ein guter Freund“?
Mit „Vielen Dank für die Blumen“ verabschiedete sich der Chor von seinem Publikum, nicht ohne Werbung in eigener Sache zu machen. „Sie müssen keine Noten lesen können, sie dürfen nur ihren Nachbarn nicht rausbringen“, lud der Chorleiter zum Mitmachen ein.
Mannheimer Morgen, 26.07.2024, Astrid Schwörer