Magische Premiere in Mannheim: „Die Schneekönigin“ begeistert Groß und Klein
Mit viel Engagement und Herz bringt das junge Ensemble eine bezaubernde Inszenierung auf die Freilichtbühne Mannheim.
Am Anfang steht immer die Wahl des Stücks. Für die Spielzeit 2025/2026 entschied sich der Spielleitkreis der Freilichtbühne Mannheim für „Die Schneekönigin“ – ein Entschluss, der sofort für große Freude sorgte. Nicht nur, weil das Märchen zu den beliebtesten Klassikern gehört, sondern weil für die künstlerische Leitung schnell klar war: Dieses Stück bietet eine Fülle fantastischer Figuren und damit ideale Voraussetzungen für ein lebendiges Kindertheaterprojekt.
Für Regisseur Paul Kaufmann war die Entscheidung mehr als eine reine Programmwahl. „,Die Schneekönigin‘ ist nicht irgendein Stück – sie hat für uns eine besondere Bedeutung“, betonte er. Bereits 2008 wurde das Märchen in einer Fassung von Dorota Haß-Wojsyk und Walter Passan im Zimmertheater der Freilichtbühne gespielt. Kaufmann erinnert sich: „Für mich ist es mehr als nur ein Stück. Mit der Schneekönigin begann vor vielen Jahren mein Zugang zu einer Kinderparabel meiner eigenen Kindheit. Ob Märchen oder Abenteuer – für mich ist es einfach eine wunderbare Geschichte.“
Aufwendig gestaltete Bühne und atmosphärisch stimmige Musik in Mannheim
Doch die Arbeit am Text stellte auch eine Herausforderung dar. Die alte Fassung von 2008 konnte dank der Freigabe von Dorota Haß-Wojsyk für Kinder verändert werden. Die sorgfältige und leidenschaftliche Arbeit spiegelte sich nun eindrucksvoll in der Premiere wider. Schon die ersten Bilder führten in den hohen Norden, wo ein eisiger Wind über endlose Schneeweiten fegt und die Schneekönigin in ihrem gläsernen Palast herrscht. Die aufwendig gestaltete Bühne und die atmosphärisch stimmige Musik ließen die Märchenwelt sofort lebendig werden.
Im Zentrum der Geschichte stehen die Kinder Gerda und Kai, deren enge Freundschaft warm und glaubhaft erzählt wurde. Ihr unbeschwertes Spiel endete abrupt, als ein gewaltiger Schneesturm über die Bühne fegte und Kai der geheimnisvollen Schneekönigin begegnete. Der Moment, in dem sein Herz zu Eis erstarrt, war einer der emotional stärksten des Abends – das Publikum hielt spürbar den Atem an.
Eine Szene, die viele Zuschauerinnen und Zuschauer sichtlich bewegte
Es folgte Gerdas lange, hoffnungsvolle Suche nach ihrem Freund, eine Reise durch vier Jahreszeiten. Der Frühling zeigte den farbenfrohen Garten der Blumenfrau, märchenhaft ausgestattet. Im Sommer spielten humorvolle Szenen mit Rabe Rudi und seiner Gefährtin, die für viele Lacher sorgten. Der Herbst brachte die Begegnung mit der wilden Räuberbande, packend inszeniert und mit starkem Spiel der Jugendlichen. Schließlich erreichte Gerda das eisige Reich der Schneekönigin – ein Highlight der Produktion. Schimmernde Kostüme, glitzernde Lichtstimmungen und der nahezu stille Klangraum machten die Szene zu einem besonderen Erlebnis.
Zwischen all dem Frost fand Gerda schließlich Kai. Mit Mut, Liebe und Beharrlichkeit schmolz sie sein gefrorenes Herz – eine Szene, die viele Zuschauerinnen und Zuschauer sichtlich bewegte. Erst als Kai wieder lächeln konnte, wich die Stille im Zuschauerraum einem erleichterten Aufatmen. Zum Abschluss belohnte das Publikum das Ensemble mit langanhaltendem Applaus. Die Premiere zeigte eindrucksvoll, wie viel Engagement, Nachwuchsarbeit, Herz und Handwerk in dieser Inszenierung stecken.
Mannheimer Morgen, 22.12.2025, Wolfgang Neuberth