Pressespiegel

Fassade der Ex-Manager bröckelt

Premiere – Freilichtbühne führt im Zimmertheater „Top Dogs“ auf / Sozialsatire des Schweizer Autors Urs Widmer

Acht ehemalige, hoch bezahlte Top-Manager sind hart auf dem Boden der Realität gelandet. Alle wurden entlassen, werden aber – als letztes Zugeständnis der ehemaligen Chefs – in einem „Outplacement-Center“ auf die Erfordernisse einer neuen Arbeitswelt vorbereitet. Auf den ersten Blick scheint Angelika Mehr Kursleiterin zu sein, doch dann entpuppt sie sich selbst als eine, die freigesetzt wurde. Nach und nach wird klar: Hier coacht jeder jeden – was oft zu amüsanten Verwirrungen führt.

Mit „Top Dogs“ des Schweizer Autors Urs Widmer hat sich die Mannheimer Freilichtbühne zu Beginn der Winterspielzeit viel vorgenommen. Doch nicht zu viel, die Premiere der Sozialsatire im Zimmertheater wird zu Recht gefeiert. Das Vorhaben von Regisseur Holger Ohm, das Spielen in den Fokus zu rücken, geht auf. Die Bühne ist bis auf acht Stühle und einen Cateringwagen im Hintergrund fast leer. Das Auge des Zuschauers wird durch nichts von den acht Akteuren abgelenkt. Und die lassen sich voll und ganz auf ihre Rollen ein, spielen sie unter ihren eigenen Namen, werden eins mit Widmers Charakteren, wirken durch und durch authentisch.

Mannheimer Morgen, 16.10.2017, Sybille Dornseiff

Premiere im Zimmertheater auf der Freilichtbühne

Keine leichte Kost präsentiert Regiseur Holger Ohm mit seinem Ensemble in dieser Saison im Zimmertheater der Freilichtbühne. Zu sehen gibt es das Theaterstück „Top Dogs“ von Urs Widmer, welches im Mai 1996 im Theater am Neumarkt in Zürich seine Uraufführung feierte.

Das Drama Top Dogs, das 1997 im Verlag der Autoren erschienen ist und mehrfach ausgezeichnet wurde, beschäftigt sich mit gekündigten Topmanagern, die der völligen Entfremdung von ihrem Beruf, ihrem Privatleben und sich selbst zum Opfer gefallen sind und nun mit Hilfe der New Challenge Company versuchen, ihr Leben in den Griff zu bekommen und möglichst schnell einen neuen Job zu erhalten. Alle Personen leiden unter ihrer Entlassung und können kaum begreifen, dass sie nun die Entlassenen sind. Sie müssen nun das, was sie vielen Arbeitnehmern zuvor durch deren Entlassung angetan haben, selbst erleben.

Das Drama zeigt die völlige Entfremdung der „Top Dogs“ von ihrem Beruf, ihrem Privatleben und sich selbst. Keiner der entlassenen Manager schafft es, nach seiner Kündigung in ein „normales“ Leben zurückzufinden (außer Julika Jenkins; sie erhält nach ihrer Entlassung eine Anstellung bei Eichbaum in Südkorea.). Sie alle sind gefangen in dem Wahn, nach ihren alten Zielen zu streben: Macht, Einfluss, Ansehen und Geld. Familienglück oder Empfinden von Liebe sind für die Charaktere nicht mehr möglich, da sie so sehr von diesen Werten und Gefühlen entfremdet sind. Die „Top Dogs“ sind gefangen im System, was auch daran zu erkennen ist, dass sie sich auf alle „Spiele“ im Outplacementcenter einlassen, obwohl deren Sinn vielfach fragwürdig erscheint.

Alle Spieler agieren übrigens unter ihrem eigenen Namen: Andreas Burger, Thorsten Graefe, Matthias Heckmann, Wolfgang Heuer, Michael Knapp, Angelika Mehr, Sandra Mercatoris und Peter Ziesche.

Premiere ist am Samstag, 14. Oktober, 20 Uhr, im Zimmertheater. Die letzte Vostellung ist am 2. Dezember.

Karten gibt es unter der Ticket-Hotline 0621-7628100.

Stadtteil-Nachrichten Mannheim, Mittwoch, 11.10.2017, mhs / red

Skurriler Weg zurück zum Erfolg

Freilichtbühne: Die neue Saison im Zimmertheater beginnt in einer Woche mit der Sozialsatire „Top Dogs“ / Regisseur Holger Ohm wagt „eine Art Experiment“

Alle Acht waren als „Top Dogs“, als Spitzenmanager, hochbezahlt, angesehen, stellten ihre Arbeit vor die Familie und verloren so gegenüber ihren Mitmenschen und Mitarbeitern jegliche Empathie. Nun teilen sie selbst das Schicksal derer, die sie einst entlassen haben. Ohne Job, also ohne das einzige, das ihnen das Leben lebenswert machte, versuchen sie, in einem Beratungsdienstleistungscenter (Outplacement-Center) durch Neuorientierung den Weg zurück zum Erfolg zu finden. Und merken nicht, wie sie mit absurden Methoden einer Hirnwäsche unterzogen werden; wie das, was sie an Strategien, Ritualen und Spielen lernen, jeglichen Sinnes entbehrt.

Bewusster Kontrast

Die Zimmertheatersaison der Freilichtbühne beginnt am Samstag, 14. Oktober mit einer Aufführung, die Regisseur Holger Ohm als „eine Art Experiment“ bezeichnet. Der Vorsitzende des Amateurtheatervereins in der Gartenstadt will mit „Top Dogs“ des 2014 verstorbenen Schweizer Autors Urs Widmer – „er ist für mich der Nachfolger Friedrich Dürrenmatts“ – ganz bewusst einen Kontrast setzen zu den eher opulenten Erfolgsstücken aus dem vergangenen Sommer mit „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ sowie der “ Froschkönig“. Denn in der 1996 uraufgeführten Sozialsatire konzentriert sich das Ensemble voll und ganz auf das Schauspielen, findet das Auge des Betrachters auf der fast kahlen Bühne wenig Ablenkung. „Wir haben schon Anfang des Jahres mit den Proben begonnen und sind ganz anders als bisher an die Rollenentwicklung und Typenerarbeitung herangegangen“, schildert Ohm einen arbeitsintensiven Prozess. Ziel war es, nicht einfach einen Text zu lernen und sich in eine Rolle hineinzuversetzen, sondern einen Teil der eigenen Persönlichkeit und viel Wahrhaftigkeit hineinzubringen. Dazu gehört, dass alle acht Akteure unter ihrem eigenen Namen spielen und dass die Proben schon sehr früh für Publikum zugänglich waren. „Wir haben viel von den Hinweisen aus oft eigenem Erleben profitiert“, sagt Ohm. Das geschah übrigens ganz im Sinne Urs Widmers, denn der führte, bevor er sein Stück schrieb, viele Gespräche mit Arbeitslosen. Neu an Holger Ohms Inszenierungsarbeit ist auch der teilweise Verzicht auf exakte Regieanweisungen. „Viele Gänge und Abläufe sind nicht festgelegt, sondern variieren ständig.“ Für Andreas Burger, erst seit einem Jahr im Freilichbühnen-Ensemble und selbst Spielleiter in Dudenhofen, war Ohms Herangehensweise ungewohnt. „Ich stehe seit 25 Jahren auf der Bühne, aber immer im Boulevard. Die Arbeit mit Holger war eine Bereicherung. Ich bin sehr froh, dass er mich gebeten hat, mitzuspielen.“

Spannende Rollen

Relativ frisch bei der Freilichtbühne, noch jung an Jahren, dennoch theatererfahren und auf dem Sprung zur Profikarriere ist Thorsten Gräfe. „Die Rollenerarbeitung nah an einem selbst war sehr spannend, immer spontan. Es hat schon eine gewisse Perversion, umgebogen zu werden, damit man auf dem Arbeitsmarkt funktioniert.“ Einer, der diese Erfahrung ganz neu macht, ist Wolfgang Heuer. Er ist der Neue in der Gruppe, die ihn aufgrund ihrer Erfahrung anleitet. „Durch die Inszenierung wird auch das Publikum in das scheinbar sinnvolle, aber auf den zweiten Blick sinnentleerte Outplacement-Prozedere eingeführt“, erläutert Regisseur Holger Ohm und betont: „Das hat natürlich seine komischen Seiten. Aber ,Top Dogs‘ ist eine Satire, kein Schenkelklopfer.“

Mannheimer Morgen, Samstag, 07.10.2017, sd

Hochnäsige Hexen, zickige Prinzessinnen und der Frosch

Theater: Freilichtbühne landet mit ihrem neuen Stück wieder einen Volltreffer und verknüpft dabei zwei Geschichten miteinander

Kichern ohne Ende, Gelächter, lautes, glucksendes Lachen, ja auch mal Proteste und Warnungen: Die Reaktionen der kleinen Zuschauer auf den „Froschkönig“ zeigte den Amateur-Schauspielern von der Mannheimer Freilichtbühne, dass sie mit dem von Sabine Valentin und Angelika Herzog-Eicher inszenierten Kinderstück wieder einmal einen Volltreffer gelandet haben. Schon vor einigen Jahren war das Stück als kleine Version im Zimmertheater gespielt worden. Um es nun für 27 Darsteller auf die große Bühne zu bringen, hat Autor Raphael Protiwensky noch ein paar Rollen hineingeschrieben, unter anderem aus einer Prinzessin ein Trio gemacht und einen neuen Koch kreiert. Natürlich haben die Regisseurinnen auch großen Wert darauf gelegt, dass die Kindergruppe richtig zum Zug kommt. Als Auftragsarbeit der Freilichtbühne komponierte der Frankfurter Frank Moesner die passende, eingängige Musik.

Beifall will kein Ende nehmen

Die bunte, mit Liedern, Tänzen und Pyrotechnik angereicherte, amüsante und kindgerechte Aufführung des spielfreudigen Ensembles kam bestens an. Am Ende der gut zwei Stunden wollte der Beifall kaum ein Ende nehmen, und die Kinder standen Schlange, um sich vor allem mit dem Frosch fotografieren zu lassen. Denn der war der Star bei den jungen Zuschauern. „Der ist witzig“, sagte die fünfjährige Lena. „Mir hat am besten gefallen, wie der Frosch am Tisch gegessen hat“, äußerte sich der sechsjährige Louis schon deutlicher, während die Gunst seiner zwei Jahre jüngeren Schwester Elli anfangs noch eher dem Prinzen lag, bevor sie sich dann doch für den Frosch entschied. Der war wieder einmal eine Paraderolle für den agilen Philipp Valentin, der nicht nur seinen Charme und sein schauspielerisches Talent einsetzen konnte, sondern auch seine enorme körperliche Präsenz. Seine Gegenspielerin ist die Hexe Winifred von der Nudelburg, eine Angeberin erster Güte, die viel verspricht, wenig hält und bei dem glänzend aufgelegten Thomas Nauwartat-Schultze in besten Händen ist. Eigentlich hat Autor Raphael Protiwensky in dem Stück zwei Geschichten miteinander verwoben. Da geht es zum einen um die bekannte Grimm’sche Vorlage vom Frosch, der die goldene Kugel der Prinzessin aus dem Brunnen holt, dafür aber verlangt, ihr Spielgefährte und Hausgast zu sein. Auf der anderen Seite gibt es die Hexen, die sich einen Spaß daraus machen, Kinder in Haustiere zu verwandeln. Nun soll endlich auch Winifred beweisen, dass sie zaubern kann. Was ihr zwar gelingt, als sie aus dem eitlen und arroganten Prinzen (Sebastian Kaumann) einen Frosch macht. Doch der entkommt und die Suche nach dem Beleg der Zauberkunst führt sie inkognito als Bedienstete ins Schloss und erweist sich als höchst schwierig. Auch weil der Koch (Michael Mendes) zu gerne die Schenkel des Frosches selbst verarbeiten würde. Im Schloss verweben sich dann die beiden Storys, die aber noch etwas verbindet. Denn es geht in beiden Handlungssträngen um Versprechen. So sieht sich nicht nur Hexe Winifred genötigt, mit einem Haustier zu ihren Kolleginnen zurückzukehren, um nicht mehr als Lügnerin azustehen. Auch der König (Cyro Klein) verlangt, dass seine drei Kinder, die pferdebesessene Edeltrud (Lisa Bechtold), die etwas dämliche Kunigunde (hervorragend Jana Eicher) und die zickige Friederike ihre Versprechen einhalten. Das gilt vor allem für Friederike (Chiara Hildenbrand), die höchst widerwillig dem Frosch Quartier gibt. Natürlich wird am Ende alles gut und aus dem zurückverwandelten Frosch wird sogar ein angenehmer Mensch. Allein Winifred muss haustierlos Farbe bekennen. Eine Bereicherung ist der zehnköpfige Bewegungschor Choreografie Claudia Griethe), der nicht nur dem Schlosspersonal tänzerisch Gestalt gibt, sondern auch die Umbauten vornimmt. Fast ebenso viele Akteure wie auf der Bühne sind und waren hinter den Kulissen von Nöten, um den „Froschkönig“ wirkungsvoll in Szene zu setzen. Wieder einmal ganze Arbeit hat dabei die Kostümabteilung geleistet.

Mannheimer Morgen, Juni 2017, Sibylle Dornseiff

Dr. Jekyll und Mr. Hyde

Sehenswerte Aufführung der Freilichtbühne Mannheim

Der angesehene Arzt Dr. Henry Jekyll forscht nach einer bewusstseinsverändernden Droge, die das Böse vom Guten im Menschen trennen kann. „Man soll das Böse akzeptieren und nicht unterdrücken!“, ist er überzeugt, was zu hitzigen Diskussionen und letztendlichem Zerwürfnis mit seinem Freund und Arzt Dr. Hastie Lanyon führt. Im Selbstversuch scheint sein Experiment gelungen, aus dem beliebten Arzt und gesellschaftlich anerkannten Wohltäter wird zeitweise das menschenverachtende Monstrum Edward Hyde, der das London im Jahre 1888 in Angst und Schrecken versetzt. Ahnungslose Spaziergängerinnen werden aus entfesselter Wut niedergeschlagen bzw. getötet, einer Prostituierten schüttet er grundlos Säure ins Gesicht, Kinder schlägt er rücksichtlos und schreckt auch nicht vor dem sinnlosen Mord an dem Abgeordneten Sir Denver Carrew zurück. Im weiteren Verlauf bleibt nicht einmal seine eigene Verlobte verschont. Sie landet nach seinem Überfall auf sie im Irrenhaus. Den überlebenden Opfern prägt sich nur eines ein: der abgrundtief böse Blick ihres Peinigers. Mit der Zeit gelingt es Jekyll kaum noch, das Böse zu kontrollieren. Bereits im Schlaf und ohne die Einnahme des Elixiers mutiert Jekyll in Hyde, verändert sich charakterlich zusehends. Seine engsten Freunde John G. Utterson und Dr. Hastie Lanyon will er nicht mehr sehen, er bricht den Kontakt mit seiner Verlobten endgültig ab und zieht sich immer mehr zurück. Tief besorgt spionieren Utterson und Lanyon Jekyll nach. Die Spur führt zu Hyde, den sie schließlich aus einem kleinen, baufälligen Haus herauskommen sehen. Jekyll erkennt indes, dass er weder von der Droge loskommt, noch den Dämon in sich besiegen kann. Im Gegenteil, er sieht ihn an Übermacht gewinnen und bittet Lanyon verzweifelt um Hilfe. Dieser soll ihm ein Gegengift applizieren und ihn damit retten. Lanyon schafft dies zwar im Kampf mit dem sich in Hyde verwandelten Jekyll, wird aber dadurch wahnsinnig und stirbt. Fassungslos stellt Jekyll die begrenzte Wirkungsdauer des Antidots fest, die grauenhafte Metamorphose setzt vor den Augen der entsetzten Bürger mitten im Hydepark ein. Jekyll sieht keinen Ausweg mehr, als sich selbst ein Ende zu bereiten. Thomas Nauwartat-Schulze gelang eine meisterhafte Inszenierung nach der weltberühmten Novelle des schottischen Schriftstellers Robert Louis Stevenson. Dramaturgische Akzente wie das Spiel der Hauptdarsteller vor phasenweise „eingefrorenem“ Background sorgen für Plastizität und lassen den Zuschauer näher rankommen an die Seele Jekylls. Das Bühnenvolk kommt mit Verdichtungssequenzen professionell rüber, Szenen wie der Auftritt der Frauenrechtlerinnen oder eine Wohltätigkeitsveranstaltung lassen in die Gesellschaft Londons der damaligen Epoche schauen. Nauwartat-Schultze zeichnet ein einprägsames Bild des historischen Aufbruchs hin zur Befreiung aus gesellschaftlichen Zwängen und Unterdrückung. Mit dem detailverliebten Bühnenbild wird der Zuschauer in die (teilweise mobile) Kulisse des Londons ins Jahr 1888 versetzt: vom gemütlichen Wohnzimmer bis zum unheimlichen Versuchslabor, dem gruseligen Haus Hydes, dem abendlichen Flair (markant unterstrichen durch die Beleuchtung in Gestalt brennender Mülltonnen) und einer äußerst gelungenen Perspektive in Londons Gassen bei Nacht an der Treppenposition – großer Chapeau für das Bühnenbauteam. Atmosphärisch verstärkt die Geräuschkulisse den Zeitsprung in das ausschleichende 19. Jahrhundert. So ruft Big Ben höchstpersönlich die Zuschauer zu ihren Plätzen, auch fehlt die im Chor gesungene Nationalhymne „God save the Queen“ nicht. Mit feinem Gespür setzt der Regisseur das ganze Stück über passende Musikelemente als Verstärker ein. Stevensons beabsichtigte Gesellschaftskritik an der erzwungenen Verdrängung nicht gesellschaftskonformer Wünsche und Bedürfnisse bzw. Konventionen des Viktorianischen Zeitalters (1837-1901) und der vorherrschenden bürgerlichen Moralauffassungen, seine Warnung vor den Konsequenzen einer empathielosen, sadistischen Menschheit sind klar erkennbar und überzeugend dargestellt. Philosophische Betrachtungsweisen kommen nicht zu kurz und spiegeln sich beispielsweise im Streitgespräch Jekylls mit Lanyons wider. Das 50-köpfige Ensemble beweist schauspielerische Höchstleistungen. Voran Marco Hullmann in der Hauptrolle besticht durch nuancenreiches Spiel, setzt die stufenweise Veränderung von Jekyll zu Hyde und die Unkontrollierbarkeit des Bösen grandios um. Seine Freunde, der besorgte Anwalt John G. Utterson (Christian Lange), der sich von Jekyll abwendende Dr. Hastie Lanyon (Bernd Schönfelder) und die bezaubernde Verlobte Charlotte Lloyd (Simone Eisen) sind eindrucksvoll dargestellt. Brillant auch kleinere Rollen wie die kesse Prostituierte Mary (Santina Rudolph) oder die pfiffigen Zeitungsjungen Will (Bastian Bauer) und Tom (Jan Köhler). Durch die ambitionierten Akteure sämtlicher Neben- und Statistenrollen wirkt das Stück lebendig und authentisch. Jede kleinste Handlung ist gut durchdacht und dargestellt. Perfektion in Maske und Kostümbildnerei runden das Geschehen ab. Theaterbegeisterte haben die Gelegenheit, sich an folgenden Abenden, jeweils 20 Uhr zu gruseln: 7., 8., 14., 15., 20., 22., 29. Juli, 3., 4. und 5. August.

Käfertaler Zeitung, Juli 2017, CoKo

Freilichtbühne zeigt Dr. Jekyll und Mr. Hyde

An ein ganz besonderes Stück haben sich die Darsteller der Freilichtbühne zusammen mit Regisseur Thomas Nauwartat-Schulze in diesem Jahr gewagt. Sie bringen den Klassiker „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“, den Robert L. Stevenson bereits 1886 geschrieben hat und der seuther unzählige Male verfilmt wurde in der Schauspielfassung von Bernd-Klaus Jerofke auf die Bühne des Open-Air-Theaters in der Gartenstadt. Rund 50 Personen sind an der Aufführung in teils sehr aufwändigen Kostümen zu sehen und zu hören. Und um es gleich vorweg zu nehmen, was sie hier bieten ist ganz großes Theater. Allen voran Marco Hullmann, der den Dr. Jekyll spielt, der sich durch seine Selbstversuche mit einer Droge immer öfter in den mordenden Mr. Hyde verwandelt. Klar, dass es da am Ende jederAufführung lang anhaltenden Applaus des Publikums für die großartigen Leistungen aller Darsteller gibt. Nicht weniger aufwändig als die Kostüme ist das Bühnenbild. Schließlich befindet man sich im London des Jahres 1888, im viktorianischen Zeitalter. Armut, Kinderarbeit, Prostitution und Arbeitslosgeit sind überall zu spüren. Die Frauen fordern mehr Rechte für sich aber auch mehr Schutz. Was ein Glück, dass es den wohlwollenden Dr. Jekyll gibt, der sich gerne wohltätig engagiert und für das neue Frauenhaus spendet. Vor allem die Damenwelt ist von dem smarten Junggesellen angetan, der aber nur Augen für seine zukünftige Verlobte Charlotte hat, von der er sich aber auch zurück zieht. Doch die Stadt wird auch von einem unheimlichen Mörder heimgesucht, der des Nachts auftaucht und jeden mordet, der sich ihm in den Weg stellt. Hinter dem mordenden Mr. Hyde steckt natürlich auch Dr. Jekyll, der sich durch einen Selbstversuch mit einer Droge in eben diesen Mr. Hyde verwandelt. Diese Verwandlungen kommen immer häufiger, so dass Dr. Jekyll auch seine Freunde, den Advokaten John Utterson und den Arzt Hastie Lanyon nicht mehr um sich haben möchte und sich verleugnen lässt. Am Ende erfleht sich der verzweifelte zusammen mit Charlotte Hilfe von Gott. Also kein Happy End, aber ein Stück, das den Darstellern alles abverlangt, bei dem
sich die Zuschauer tatsächlich in die viktorianische Zeit in London versetzt fühlten und bei dem es, trotz aller Gruseligkeit, auch durchaus heitere Momente gibt. Dafür bedankten sie sich mit lang anhaltendem Applaus. Das Stück steht noch bis Anfang August auf dem Spielplan der Freilichtbühne in Mannheim-Gartenstadt.

Friedrichsfelder Wochenblatt, Juli 2017, Marion Schatz

Ganz großes Theater – Freilichtbühne zeigt „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“

An ein ganz besonderes Stück haben sich die Darsteller der Freilichtbühne mit Regisseur Thomas Nauwartat-Schulze in diesem Jahr gewagt. Sie bringen den Klassiker „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“, den Robert L. Stevenson bereits 1886 geschrieben hat und der seither unzählige Male verfilmt wurde, in der Schauspielfassung von Bernd-Klaus Jerofke auf die Bühne des Open-Air-Theaters in der Gartenstadt. Rund 50 Personen sind an der Aufführung in teils sehr aufwändigen Kostümen zu sehen und zu hören. Und um es gleich vorwegzunehmen: Was sie hier bieten, ist ganz großes Theater. Allen voran Marco Hullmann, der den Dr. Jekyll spielt, welcher sich durch seine Selbstversuche mit einer Droge immer öfter in den mordenden Mr. Hyde verwandelt. Klar, dass es da am Ende jeder Aufführung langanhaltenden Applaus des Publikums für die großartigen Leistungen aller Darsteller gibt. Nicht weniger aufwändig als die Kostüme ist das Bühnenbild. Schließlich befindet man sich im London des Jahres 1888, im Viktorianischen Zeitalter. Armut, Kinderarbeit, Prostitution und Arbeitslosgeit sind überall zu spüren. Die Frauen fordern mehr Rechte für sich, aber auch mehr Schutz. Was für ein Glück, dass es den wohlwollenden Dr. Jekyll gibt, der sich gerne wohltätig engagiert und für das neue Frauenhaus spendet. Vor allem die Damenwelt ist von dem smarten Junggesellen angetan, der aber nur Augen für seine zukünftige Verlobte Charlotte hat, von der er sich jedoch zurückzieht. Zugleich wird die Stadt von einem unheimlichen Mörder heimgesucht, der nächtlich auftaucht und jeden mordet, der sich ihm in den Weg stellt. Die Verwandlungen von Jekyll in Hyde und zurück kommen immer häufiger, so dass Dr. Jekyll auch seine Freunde, den Advokaten John Utterson und den Arzt Hastie Lanyon, nicht mehr um sich haben möchte und sich verleugnen lässt. Es handelt sich also um ein Stück, das den Darstellern alles abverlangt, bei dem sich die Zuschauer tatsächlich in die viktorianische Zeit in London versetzt fühlen und in dem es, trotz allen Grusels, durchaus heitere Momente gibt. Dafür bedanken sich die Zuschauer mit großem Applaus. Das Stück steht noch bis Anfang August auf dem Spielplan der Freilichtbühne.

Nordnachrichten Mannheim, Juli 2017, mhs

Premiere des Froschkönigs auf der Freilichtbühne

Rasante Unterhaltung für Kinder und Erwachsene

Nein, diesen Frosch wünscht man sich nun wirklich nicht in sein Schloss. Und schon gar nicht in sein Bettchen. Phillip Valentin spielt seine Rolle derart überzeugend, dass man sich gleich in alle anderen Figuren und deren Reaktionen auf das seltsame Halbwesen mit hineinversetzen kann. Mit dem ganzen Körper und dessen akrobatischen Zuckungen ist der Frosch von Valentin die ganz große Attraktion bei der Premiere der Froschkönig-Aufführung auf der Freilichtbühne in der Gartenstadt. Was man zu sehen bekommt, ist ein Stück, das für Kinder wie Erwachsene gleichermaßen geeignet ist. Das liegt nun wahrlich nicht am Inhalt, der sich nah an der Märchenvorlage orientiert. Vielmehr sind es die Rasanz der Handlung und Spielfreude der Akteure, die das Stück so sehenswert machen. Zu beidem trägt die Bearbeitung des Originalstoffs durch das Duo Raphael Protiwensky-Schenk (Text) und Frank Moesner (Musik) bei, die der eigentlichen Handlung eine zweite Ebene hinzufügen, in der eine Horde durchgeknallter Hexen ihr Unwesen treibt. Beide Handlungsstränge treffen sich rund um die Figur des Froschkönigs: Während dieser nur die Königstochter und deren Zuneigung im Sinn hat, wird er selbst von der glücklosen wie exzentrischen Hexe Winnifred gejagt. Diese braucht die schräge Mixtur aus Mensch und Amphibium, um die Hexenfreundinnen nach allerlei Enttäuschungen der Vergangenheit gnädig zu stimmen – und damit einer Bestrafung durch höhere Hexenmächte zu entgehen. Die Hexenhandlung beschleunigt das Tempo des Stückes um ein Vielfaches, tut dies aber so organisch, dass es die eigentlichen Abläufe nicht stört. In die wenigen Umbauphasen hat man Tanzchoreographien unter Leitung von Claudia Griethe integriert – auch das äußerst stimmig. Neben Valentin als Froschkönig überzeugen vor allem die von ihm ins Visier genommene jüngste Königstochter Friederike (gespielt von Chiara Hildenbrand) sowie Hexe Winnifred (Thomas Nauwartat-Schultze) und König Theobald (Cyro Klein). Großartig sind auch Kostüme, Maske und Requisiten.

Nordnachrichten Mannheim, Juli 2017, rüo